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Einsame Computer-Freaks?

Das Internet als Möglichkeit, soziale Beziehungen zu pflegen. Keystone

Internet-Freaks versinken nicht in Einsamkeit. Vielmehr ist sozial gut integriert, wer einen grossen Teil der Freizeit in Internet-Gesprächsforen verbringt. Dies ist der überraschende Schluss einer soziologischen Studie.

Dieser Inhalt wurde am 18. April 2001 - 14:54 publiziert

Wer bisher geglaubt hat, der Computer treibe den Menschen in die Einsamkeit und gesellschaftliche Vereinzelung, sieht sich möglicherweise getäuscht. Laut einer am Mittwoch (18.04.) veröffentlichten Nationalfondsstudie, welche unter der Leitung der Mainzer Soziologie-Professorin Bettina Heintz durchgeführt wurde, ist die weit verbreitete Annahme falsch, dass per Internet geknüpfte Beziehungen persönliche Kontakte allmählich verdrängten, und damit das Internet das Individuum nach und nach in die Atomisierung treibe.

Befragung von Nutzern als Grundlage

Die Studie beruht auf der Befragung von rund hundert der intensivsten Nutzerinnen und Nutzern der schweizerischen Internet-Gesprächsforen SIX-chat, SFDRS-chat, MICS, ch.talk und ch.comp. Diese Adressen zählen zu den gut frequentierten ihrer Art.

Ein bemerkenswertes Resultat der Studie besteht nun darin, dass nur gerade ein knappes Viertel der Befragten mit ihren im Internet gefundenen Kontaktpersonen ausschliesslich virtuell verkehrten. Vielmehr trafen zwei von drei der befragten Gesprächsforum-Benützer ihre wichtigsten Online-Bekanntschaften regelmässig auch persönlich. Diese ausgeprägte Überlappung der persönlichen und virtuellen Kontakte führt die Studie zumindest teilweise auch auf die geringe Grösse der Schweiz zurück.

Online-Beziehungen als Ergänzung

Laut Studie umfasste das soziale Netz jedes einzelnen Befragten durchschnittlich sechzehn Personen, die regelmässig innerhalb oder ausserhalb des Internets kontaktiert würden. Die untersuchten Chatterinnen und Chatter könnten demnach als sozial sehr gut vernetzt bezeichnet werden. Online-Beziehungen verdrängten demnach persönliche Beziehungen nicht, sondern vermöchten diese durchaus zu ergänzen.

Online-Kommunikation als Chance

Laut Studie vermag das Internet dem Knüpfen neuer Beziehungen sogar Vorschub zu leisten, würden doch Kontakte ermöglicht, die über den unmittelbaren sozialen und geographischen Raum hinausreichten. Eine spezifische Qualität der Internetbekanntschaft bestehe überdies darin, dass diese insgesamt als weniger eng empfunden würden. Die Befragten bezeichneten nur gerade ungefähr jede zehnte ihrer im virtuellen Raum geschlossenen Bekanntschaften als "persönlich nahestehend". Als "persönlich nahestehend" erachteten die Befragten hingegen jede zweite ihrer persönlichen Beziehungen. Wenig erstaunlich ist damit die in der Studie verzeichnete Beobachtung, dass sich im virtuellen Raum nur selten stabile Gruppen bildeten.

swissinfo und Agenturen

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