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Tokio (awp/sda/afp) - Die Erdbeben- und Tsunamikatastrophe in Japan hat nicht nur grosses menschliches Leid verursacht, es hat auch schwere Auswirkungen auf die ohnehin geschwächte Wirtschaft des 127-Millionen-Einwohner-Landes.
Da die Katastrophe zu Produktionsausfällen bei den Autoherstellern Toyota und Nissan und anderen Unternehmen führte, droht eine Rezession. Ausserdem wird der ohnehin enorme Schuldenberg des ostasiatischen Landes wegen der notwendigen Investitionen in den Wiederaufbau weiter wachsen.
Auch der durch das Beben ausgelöste Atomunfall und die Abschaltung von zahlreichen Atomkraftwerken schadet der japanischen Wirtschaft.
Japans wirtschaftliche Entwicklung gab schon vor der Katastrophe keinen Anlass zum Jubeln. Vor einem Monat räumte Tokio offiziell ein, dass Japan nach mehr als 40 Jahren seinen Rang als zweitgrösste Wirtschaftsmacht der Welt an China abtreten musste.
Nun hat das Land auch noch mit Produktionsausfällen zu kämpfen. Wegen der Verwüstungen durch das Beben und die Flutwellen mussten die Autokonzerne Toyota, Nissan und Honda ihre gesamte Produktion aussetzen.
Auch in einigen Werken des Technologieriesen Sony sowie in anderen Fabriken gibt es Produktionsstopps. In mehreren Fabriken ereigneten sich in Folge des Bebens Explosionen, in einer Erdölraffinerie des Konzerns Cosmo Oil brannte es.
Ein grosses Problem für die Unternehmen ist auch die Zerstörung von Infrastruktur. Das Beben und der darauf folgende Tsunami verwüstete insbesondere die Küstengebiete der nordöstlichen Region Tohoku, die für acht Prozent des japanischen Bruttoinlandproduktes (BIP) verantwortlich ist.
Schäden gibt es aber auch in der südlicheren Region Kanto, zu der die Metropole Tokio gehört und die 40% des japanischen BIP erzeugt. "Das Erdbeben wird beträchtliche Folgen für die wirtschaftliche Aktivität einer grossen Zahl von Branchen haben", sagte ein Regierungssprecher am Sonntag.
Durch die Produktionsausfälle droht Japan eine Rezession, also das Schrumpfen der Wirtschaft in mindestens zwei Quartalen in Folge. Nach drei Quartalen des Wachstums war die Wirtschaft schon im letzten Quartal 2010 leicht geschrumpft. "Das Timing der Katastrophe hätte nicht schlimmer sein können", erklärte die Beratungsfirma Capital Economics.
Von Belang ist auch die Krise der Atomwirtschaft, die das Beben und der Tsunami auslösten. Die mehr als 50 japanischen Atomkraftreaktoren decken den Strombedarf des Landes zu rund 30%. Mehrere Kraftwerke liegen seit dem Beben still.
Im Atomkraftwerk Fukushima 1 spitzte sich die Lage dramatisch zu: Nach massiven Störungen am Kühlsystem ereignete sich eine Explosion - in zwei Reaktoren hielt die Regierung am Sonntag eine Kernschmelze für möglich.
Durch die Schäden der Naturkatastrophe und die abgeschalteten Atomkraftwerke werde die Wirtschaft im ersten Quartal 2011 "spürbar geschwächt", sagt Commerzbank-Ökonom Wolfgang Leim. Hoffnung macht den Ökonomen jedoch, dass der Wiederaufbau der Katastrophengebiete umfangreiche Investitionen nötig macht.
Dies erlaube es, "die Wirtschaftsmaschine schnell wieder anzuwerfen", sagt Leim. Das Baugewerbe, die Stahlproduktion und die Telekommunikationsbranche würden von den notwendigen Reparaturarbeiten profitieren.
Die konservative Opposition, die bislang alle Ausgaben der Mitte-links-Regierung so gut es ging blockierte, hat schon signalisiert, dass sie Staatshilfen für das Katastrophengebiet mittragen werde. Die Regierung von Ministerpräsident Naoto Kan muss dann aber damit fertig werden, dass der Schuldenberg weiter wächst. Schon jetzt liegt die Gesamtverschuldung schätzungsweise bei 200 Prozent des Bruttoinlandproduktes.
cf

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