EU-Kommission genehmigt Gen-Kartoffel Amflora
BRÜSSEL/LIMBURGERHOF (awp international) – Die Europäische Kommission hat den Anbau der Gen-Kartoffel Amflora des Chemiekonzerns BASF zu industriellen Zwecken genehmigt. Gleichzeitig liess die Behörde am Dienstag in Brüssel die Verwendung der bei der Stärkegewinnung anfallenden Nebenerzeugnisse als Futtermittel zu. «Nun ist für uns der Weg frei, Amflora in diesem Jahr kommerziell anzubauen», kündigte der Geschäftsführer der BASF Plant Science, Peter Eckes, im pfälzischen Limburgerhof an. Grüne und Umweltschützer reagierten empört auf die Brüsseler Entscheidung.
Die Kommission genehmigte auch die Verwendung von drei Genmais- Sorten des US-Konzerns Monsanto als Lebens- und Futtermittel sowie deren Einfuhr und Verarbeitung. «Weitere Verzögerungen wären nicht zu rechtfertigen gewesen», betonte EU-Gesundheitskommissar John Dalli. Er wolle nun vorschlagen, dass künftig die EU-Mitgliedstaaten selbst über den Anbau genetisch veränderter Organismen entscheiden können.
VERSCHMUTZUNGSLIZENZ
«Nach über 13 Jahren Wartens freuen wir uns über die Genehmigung der EU-Kommission für Amflora», teilte BASF-Vorstandsmitglied Stefan Marcinowski mit. Die Kartoffel bildet nach Angaben des Unternehmens Stärke für technische Anwendungen in der Papier-, Garn- oder Klebstoffindustrie. So verleihe die Amylopektinstärke aus Amflora Papier einen höheren Glanz, Beton und Klebstoffe können länger verarbeitet werden. Eine Nutzung der Gen-Kartoffel als Lebensmittel ist nicht vorgesehen
Die Zulassung von Amflora «brüskiert die gentechnik-kritische Öffentlichkeit», erklärte die rheinland-pfälzische Bundestagsabgeordnete der Grünen, Ulrike Höfken, in Berlin. Die BASF- Kartoffel erhalte eine «skandalöse Verschmutzungslizenz». Der Bund für Umwelt und Naturschutz hält die Übertragung eines in der Stärkekartoffel enthaltenen Resistenz-Gens auf Bakterien des Magen- Darm-Trakts nicht für ausgeschlossen. Die Zulassung sei «ein politischer Kniefall vor der BASF», sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger.
SCHLAG INS GESICHT
«Vor den Risiken schliessen sowohl die gentechnikverliebte Bundeskanzlerin als auch Agrarministerin Ilse Aigner (CSU) die Augen», erklärte der Verband. «Die BASF-Manager haben ein Ziel erreicht. Für sie ist das ein Schritt zur Abschaffung der Gentechnikfreiheit in der Landwirtschaft. Wir setzen jetzt auf die Vernunft der Stärkeindustrie und der Bauern, Amflora nicht zu akzeptieren, zumal es konventionelle Alternativen gibt», sagte BUND- Gentechnikexpertin Heike Moldenhauer.
«Es ist ein Schlag ins Gesicht der Bürgerinnen und Bürger, von denen 70 Prozent Gentechnik im Essen ablehnen», teilte die Grünen- Abgeordnete im Europäischen Parlament für die Region Rhein-Neckar, Franziska Brantner, in Ludwigshafen mit. Der EU-Gesundheitskommissar John Dalli habe die Zulassung regelrecht «durchgepeitscht». Es sei das erste Mal seit zwölf Jahren, dass wieder der Anbau einer Gentechnikpflanze zugelassen wurde./dj/wb/löb/DP/edh