Arbeitslosigkeit im Juni deutlich gesunken
Erstmals seit 10 Jahren ist die Zahl der Arbeitslosen in der Schweiz Ende Juni wieder unter 60'000 gefallen - ein etwas stärkerer Rückgang als erwartet.
Ende letzten Monats waren 59’176 Arbeitslose bei den Arbeitsämtern eingeschrieben. Das waren 1’921 weniger als im Vormonat.
Die Arbeitslosen-Quote sank von 1,7 auf 1,6%, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (seco) am Freitag (06.07.) bekannt gab. Die Zahl der Stellensuchenden nahm um 2’178 auf 100’812 ab, jene der gemeldeten offenen Stellen verringerte sich um 584 auf 13’611.
Stärker als erwartet
Der Rückgang der Arbeitslosigkeit im Juni sei etwas stärker ausgefallen als erwartet, sagte Jean-Luc Nordmann, Direktor Arbeit im seco. Letztmals sei im Dezember 1991 eine solch niedrige Zahl und Quote registriert worden.
Im Juli und August dürfte sich der Rückgang verlangsamen, da Schul- und Lehrabgänger auf den Arbeitsmarkt drängten. Für 2001 rechnet Nordmann damit, dass sich die Zahl der Arbeitslosen in der Mitte der Bandbreite von 60’000 bis 65’000 einpendeln wird.
Verhaltener Ausblick
Ähnlich sieht Fabio Alessandrini, Analyst bei Lombard, Odier & Cie, die Entwicklung. Ab Herbst dürften die Arbeitslosen-Zahlen saisonal bedingt wieder steigen. Die Quote werde Ende Jahr bei 2% und im Jahresdurchschnitt bei 1,7 bis 1,8% liegen.
Im kommenden Jahr ist mit einer durchschnittlichen Arbeitslosigkeit in Vorjahreshöhe zu rechnen, so Nordmann. Die Konjunktur kühle sich zwar ab, die Schweizer Wirtschaft werde aber weiter wachsen. Auf den Arbeitsmarkt dürfte dies neutral wirken.
Schuldenfreie ALV in Sicht
Dank der unverändert günstigen Entwicklung wird die Arbeitslosen-Versicherung (ALV) im laufenden Jahr Darlehen von 3,2 Mrd. bis 3,4 Mrd. Franken an Bund und Kantone zurückzahlen können. Der Schuldenstand sinkt damit auf 2,3 Mrd. bis 2,5 Mrd. Franken.
Sollte die Prognose von 60’000 bis 65’000 Arbeitslosen im kommenden Jahr Realität werden, könnte die ALV auch die restlichen Schulden begleichen. Erstmals seit zehn Jahren wäre die ALV dann laut Nordmann wieder schuldenfrei.
Rückgang in den meisten Kantonen
In allen Kantonen mit Ausnahme von Obwalden, Basel-Landschaft und Jura war die Arbeitslosigkeit im Juni rückläufig. Den stärksten Rückgang der Quote gab es im Wallis und in Graubünden. Die rote Laterne hält nach wie vor Genf mit einer Quote von 4,0 Prozent.
Nochmals entspannt hat sich die Lage bei der Kurzarbeit. Im Mai standen 696 Personen in Kurzarbeit, 47 Personen oder 6,3% weniger als im Vormonat. Betroffen waren 82 (-9) Betriebe. Die Zahl der ausgefallenen Arbeitsstunden sank um 9,9% auf 44’965 Stunden.
swissinfo und Agenturen
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