Auch für die Swisscoy gilt: Kosovo ist Euroland
Mit dem neuen Jahr hat der Euro die D-Mark im Kosovo und in Montenegro als offizielle Währung abgelöst. Das hat auch für die Swisscoy Folgen.
«Ich musste mir die Euro für die Swisscoy von den Kollegen von der AUCON, dem österreichischen Kontingent, besorgen», sagt Chris Jörgensen. Im Zivilleben Bankangestellter, verwaltet er als Quartiermeister das Geld der Swisscoy. «Ich war auf mich allein gestellt, weil die Schweiz den Euro nicht einführt wie die Österreicher und die Deutschen.»
Den Sold erhalten die Schweizer Soldatinnen und Soldaten im neuen Jahr weiterhin in Schweizerfranken, das Bargeld für die täglichen Ausgaben aber in Euro. In einer Informations-Kampagne hat Chris Jörgensen die Swisscoy-Angehörigen auf die Umstellung vorbereitet.
«Niemand muss Angst haben. Alle erhalten genau gleich viel Geld wie vorher. Grössere Barbeträge konnten bei mir deponiert werden und wurden automatisch umgewandelt.» Auch das Swisscoy-Konto bei der lokalen Bank wechselte so über Nacht von Deutschen Mark zu Euro.
Euro im Swiss Chalet und im PX
Am Silvesterabend selbst konnten die Soldatinnen und Soldaten noch mit Mark bezahlen. Doch damit ist Schluss: «Das Swiss Chalet soll schnellstmöglich auf Euro umgestellt werden», sagt der Quartiermeister. Restbeträge tauscht er um. «Beim Wechsel geht nichts verloren», betont er.
Nur noch Euro in der Kasse will auch Mirjam Gross. Sie führt für die Swisscoy den Armee-Laden im Camp, den sogenannte PX. Dort decken sich die Soldatinnen und Soldaten mit Souvenirs, Hygieneartikeln, Schweizer Schokolade, Guetzli und Getränken ein.
«Die Buchhaltung im Computer und die Kasse werden mit spezieller Software umgestellt. Wir müssen nur noch die Preise neu anschreiben», sagt die Geschäftsführerin. Probleme erwartet sie keine: «Schon heute kaufen alle problemlos mit Mark ein. Das wird wie in den Ferien: Nach einigen Tagen weiss man wie es geht.»
Plakate sollen Vertrauen schaffen
Die Euro-Einführung im Kosovo wurde genau vorbereitet: Plakate in den Poststellen und Banken sowie Fernsehspots weisen schon seit längerem auf den Währungs-Wechsel hin. Kosovarinnen und Kosovaren werden darin ermuntert, Konten zu eröffnen. Diese gelten indes seit der Beschlagnahmung von Fremdwährungs-Konten durch die Regierung Milosevic immer noch als unsicher.
Experten der Deutschen Bank Research schätzen, dass im Kosovo etwa zwei Mrd. Mark als sogenanntes Matratzengeld ausserhalb der Banken zirkuliert. Der grösste Teil dieses Geldes ist nicht illegal erworben und könnte deshalb problemlos auf Konten einbezahlt werden.
Info-Center für Kosovo
Die europäische Agentur für den Wiederaufbau unterhält in Pristina ein «Euro Info Correspondance Center» (EICC). Innerhalb der kosovarischen Handelskammer angesiedelt, baut es Beziehungen zwischen Unternehmen im Kosovo und dem übrigen Europa auf.
Das EICC weist bezüglich der Einführung der europäischen Einheitswährung auf spezielle Regeln hin, welche die kosovarische «Banking and Payment Authority» (BPK) erliess: Bei Einzahlungen von Beträgen über 10’000 Mark gelten die üblichen Regeln gegen die Geldwäscherei, und wer Bargeld wechseln will, muss sich immer ausweisen. Der kostenlose Umtausch von der Mark zum Euro läuft noch bis am 28. Februar.
Währung als Politikum
«Die Einführung des Euro schliesst Kosovo ökonomisch an den Westen an, das ist gut», sagt Kamer Kabashi, der in Deutschland studiert. «Die neue Währung wird kein Problem sein, wir sind auch mit der Mark immer sehr gut ausgekommen.»
Das EICC bemängelte kürzlich, dass noch nicht alle Geschäfte die Preise in Mark und in Euro angeschrieben hätten. Im Gegensatz zu Montenegro gibt es keine solche Pflicht im Kosovo.
Armend Sadriu, Startup-Unternehmer, hat hingegen keine Bedenken: «Als wir noch mit Dinar bezahlten, hatte der täglich über 20 Prozent Inflation. Da mussten wir die Preise jeden Abend neu anschreiben.»
Philippe Kropf, Prizrën
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