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Bundesrat Villiger verteidigt das Projekt Postbank

Auch bei der Post drängen sich im Zuge des Strukturwandels Veränderungen auf. Keystone

Finanzminister Kaspar Villiger hat sich beim Festakt "100 Jahre Raiffeisenbanken" hinter das Projekt Postbank gestellt. Um die Grundversorgung auch in Zukunft zu gewährleisten, müsse die Post neue Geschäftsfelder erschliessen, sagte Villiger.

Die Raiffeisenbanken und andere Banken würden auch in Zukunft erfolgreich sein, wenn sie ihre kundenorientierte Politik forsetzten, sagte Villiger am Samstag (17.06.) am Raiffeisen-Festakt in Interlaken. In der Vergangenheit hätten die Finanzinstitute «mit einer klaren Geschäftspolitik auch schwierige Zeiten glänzend gemeistert.»

Wirbel um Postbank

Aus aktuellem Anlass ergriff Villiger die Gelegenheit, auf die geplante Postbank einzugehen. Er verstehe, wenn man sich in Bankenkreisen besorgt frage, ob da ein neuer Konkurrent entstehe, sagte er vor rund 2’000 geladenen Gästen.

Zum Handeln veranlasst habe den Bundesrat der enorme Strukturwandel im Bereich der Kommunikationsinfrastrukturen, welche von den Unternehmen eine hohe Flexibilität verlangten. Zwar seien die Veränderungen bei der Post nicht ganz so augenfällig wie im Telecom-Bereich. Dennoch sei ein dynamischer Prozess im Gange, der Anpassungen verlange.

Die kostspielige Poststellenstruktur könne mit dem herkömmlichen Postgeschäft nicht mehr finanziert werden. Dennoch müsse die Grundversorgung sicher gestellt werden. Ein möglicher Ausweg aus der Sackgasse sei die Eröffnung neuer Geschäftsfelder, wie eben der Postbank.

Swisscom wird nicht geopfert

Villiger wehrte sich dagegen, dass die Gründung einer Postbank den Verkauf der Swisscom bedingte: „Das ist ein Irrtum, der in der Öffentlichkeit entstanden ist.» Die Postank müsse aber eine minimale Kapitalausstattung haben.

Es sei am Bund, diese Gelder aufzubringen, „unabhängig davon, ob er gleichzeitig Swisscomaktien verkaufen könne oder nicht.» Ein direkter Zusammenhang bestehe überhaupt nicht.

Seit 100 Jahren im Geschäft

Die Schweizer Raiffeisen-Bankengruppe feiert an diesem Wochenende ihr 100-jähriges Bestehen. Die Bank bedankt sich bei der Bevölkerung mit der Gründung einer Jubiläumsstiftung, die ethisches Handeln in der Wirtschaft fördern soll. Das Stiftungskapital beträgt 5 Mio. Franken.

Im Jahr 1900 war in Bichelsee TG die erste Schweizer Raiffeisenbank eröffnet worden, die genossenschaftliches Gedankengut umsetzen sollte. Die Idee zum kollektiv organisierten Bankwesen stammt vom deutschen Sozialreformer Friedrich Wilhelm Raiffeisen.

Die Raiffeisenbanken zählen in der Schweiz mittlerweile über 1,5 Mio. Kundinnen und Kunden. Im vergangenen Jahr erzielten die 582 selbstständigen Schweizer Raiffeisenbanken einen Gewinn von 335 Mio. Franken. Die Bilanzsumme betrug gut 71 Mrd. Franken.

swissinfo und Agenturen

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