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Giannis Mavris

Liebe Leserin, lieber Leser

Wenn hochrangige Friedensverhandlungen in Genf stattfinden, nehmen Medien das als Beweis für die anhaltende Strahlkraft der «Welthauptstadt des Friedens». Finden sie anderswo statt, wird nicht selten ein Abgesang auf das Internationale Genf angestimmt.

Das gleiche gilt für die Schweiz als Mediatorin: Vermittelt sie prominent zwischen Konfliktparteien, sei das ein Resultat der bewährten Neutralität des Landes. Wann immer andere vermitteln, liege es daran, dass die Schweizer Neutralität nicht mehr glaubwürdig sei.

Das ist natürlich etwas zugespitzt. Aber nicht sehr: Solche Schlagzeilen liest man in Schweizer Medien regelmässig.

Das liegt einerseits an der Logik von Medien – die Eile erlaubt nicht immer differenzierte Analysen. Andererseits liegt es auch am simplifizierten Bild, das manche Journalist:innen von Verhandlungen oder Vermittlungen haben: Hier zwei Staaten, die miteinander im Konflikt sind. Da eine dritte Partei, die vermittelt.

Diese Vorstellung ist aus zwei Gründen falsch: In den letzten Jahren haben die Konflikte weltweit deutlich zugenommen, auch ihre Häufigkeit, Komplexität und geografische Verbreitung. Aber nur eine Minderheit davon ist zwischenstaatlich.

Dazu kommt, dass die Welt dank digitaler Hilfsmittel enger vernetzt ist als je zuvor. So werden nicht nur die Konflikte komplexer, sondern auch die Lösungsansätze. Das ist ein Grund, weshalb wir häufig nicht einfach eine, sondern gleichzeitig mehrere Parteien sehen, die vermitteln. Sozusagen in Arbeitsteilung.

Ein aktuelles Beispiel: Im Iran-Krieg sollen sich die Türkei, Pakistan und Ägypten um Verhandlungen bemühen. Gleichzeitig sagte der Schweizer Aussenminister Ignazio Cassis in einem Interview über die Rolle der Schweiz: «Wir sind viel mehr als die viel zitierte Briefträgerin.» Er bezog sich damit auf das Schutzmachtmandat im Iran, über das jedoch sehr wenig an die Öffentlichkeit dringt.

Es ist also schwer, sich in Echtzeit ein Bild der Vermittlung zu machen. Und es gibt noch einen weiteren Punkt: Ob eine Vermittlung erfolgreich war, weiss man erst hinterher. Darum hält man sich mit öffentlicher Kommunikation klugerweise erstmal zurück – niemand will als gescheiterter Vermittler dastehen.

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