Bundesrat will Swissair helfen
Der Bund will sich möglicherweise an der Sanierung der Swissair beteiligen. Die Hauptlast müsse aber die Wirtschaft tragen, sagte Finanzminister Villiger. Die Airline schliesst wegen Versicherungs-Problemen einen generellen Flugstopp nicht aus.
Der Bundesrat hat die Bereitschaft zur Beteiligung des Bundes an einer breit abgestützten Aktion zur Rettung der Swissair signalisiert. Eine nachhaltige Sanierung der Swissair liege im öffentlichen Interesse, sagte Villiger vor den Medien.
Ball liegt bei der Wirtschaft
Die Initiative für eine Sanierungsaktion müsste aber von der Privatwirtschaft kommen und auch von den beteiligten Firmen getragen werden, stellte Villiger klar. Die Rolle des Bundes könne nur subsidiär sein.
Als Richtmarke nannte Villiger die Aktienbeteiligung des Bundes von 3%. Auch ein leicht höheres Engagement sei aber nicht ausgeschlossen, sagte Villiger. «Ausgeschlossen ist aber, dass der Bund die Hauptlast trägt, während sich die Banken davonschleichen», sagte er.
In den nächsten Tagen ist ein Treffen zwischen einer Bundesrats-Delegation aus Villiger und Verkehrsminister Moritz mit Vertretern der Swissair und der Wirtschaft vorgesehen. Dabei soll das weitere Vorgehen erörtert werden. Welche Wirtschaftsvertreter für das Treffen vorgesehen sind, wurde zunächst nicht bekannt.
Zustimmung des Parlaments nötig
Für eine Kapitalspritze ist der Bundesrat allerdings auf die Zustimmung des Parlamentes angewiesen. Eine Beteiligung würde einen Nachtragskredit und einen entsprechenden Parlaments-Beschluss erfordern, sagte Villiger.
Meinungswandel des Bundesrates
Aus ordnungspolitischen Überlegungen habe der Bundesrat bislang eine Beteiligung des Staates an der Sanierung der Swissair ausgeschlossen, sagte Villiger. Den Meinungswandel des Bundesrates begründete er mit der Verschärfung der Krise der Swissair durch die Terroranschläge in den USA.
Die Regierungsparteien und die Gewerkschaft VPOD haben die Initiative des Bundesrats begrüsst. Der Grundtenor: Die finanzielle Hauptlast sollen Privatwirtschaft und Banken tragen, und die Hilfsaktion müsse einmalig bleiben.
Zurückhaltende Reaktion der Swissair
Die Swissair nehme die Initiative des Bundesrates zur Sanierung der Swissair zur Kenntnis, sagte Swissair-Sprecher Erwin Schärer. Es würden aber weiterhin sämtliche der Luftverkehrs-Holding offenstehenden Optionen geprüft. Die Swissair könne erst nach einer Konkretisierung der Hilfs-Massnahmen Stellung nehmen.
Swissair-Chef Mario Corti hat sich am Freitag mit Vertretern des Personals und der Gewerkschaften getroffen, um gemeinsam einen Ausweg aus der Krise zu suchen. Obwohl vom Inhalt der Gespräche nichts Konkretes durchsickerte, scheint sich ein zusätzlicher Stellenabbau abzuzeichnen.
«Wir befürchten einen erneuten Stellenabbau, und zwar im selben Ausmass, wie er im Ende August vorgestellten Sanierungsplan angekündigt wurde», sagte Martin Guggi, Präsident des Kabinen-Personals, nach dem Treffen.
Möglicher Flugstopp
Die Swissair zieht in Betracht, ab Montag um Mitternacht vorerst alle Flugzeuge auf dem Boden zu lassen. Grund dafür sind die von den Versicherungen als Folge der Anschläge in den USA gekündigten Verträge für das Risiko «Krieg und Terror».
Die Swissair sei wie alle anderen Flug-Gesellschaften aber zuversichtlich, dass rechtzeitig eine Lösung mit den Versicherungen gefunden werden könne, sagte Swissair-Sprecher Jean-Claude Donzel am Freitag. Es handle sich nicht um ein Swissair-spezifisches Problem. Man stehe in Kontakt mit Behörden auf höchster Ebene.
Versicherer hatten weltweit die Policen für Flug-Gesellschaften einseitig mit einer Frist von sieben Tagen gekündigt. Die Verträge mit den Flug-Gesellschaften laufen zum Teil am Montag, zum Teil auch erst am Donnerstag aus.
Starke Kursschwankungen
An der Börse verzeichnete die Swissair-Aktie am Freitag starke Kursschwankungen. Nachdem sie bei der Eröffnung mit 50 Franken 11% über dem Börsen-Schluss vom Vortag lag, sackte sie zwischenzeitlich auf 42,5 Franken ab. Sie schloss mit 47,0 Franken, 4,44% über dem Vortag.
swissinfo und Agenturen
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