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Computerbasierte Kranken- Geschichten: Chancen und Risiken

Themenbild: Computerbasierte Patientendossiers Keystone

Die vernetzte und flächendeckende Anwendung von elektronischen Krankengeschichten ist absehbar. Sie werden schon heute in einzelnen Schweizer Spitälern anstelle der Papierdossiers geführt - zum Vorteil der Patienten, aber auch mit neuen Risiken.

In Zukunft sei mit einer zunehmenden Nutzung digitaler Krankengeschichten zu rechnen, sagte Anne Eckhardt am Mittwoch (10.05.) vor den Medien in Bern. Eckhardt ist Leiterin der Studie «Computerbasierte Pateintendossier – Chancen und Risiken», die vom Programm für Technologiefolgen- Abschätzung des Schweizerischen Wissenschafts-und Technologierates in Auftrag gegeben wurde.

Die Vorteile solcher zentral und lebenslang gespeicherter Dossiers liegen auf der Hand: Schneller Zugriff auf alle relevanten Informationen eines Patienten und damit eine bessere medizinische Versorgung. Gerade bei Notfällen ist dies unabdingbar. Auch eine umfassendere Prävention wird erhofft.

Für Christian Ludwig vom Berner Inselspital wird mit den neuen Dossiers auch den Patienten selbst der Zugriff erleichtert. «Der Patient will nicht mehr warten, bis der Arzt Zeit hat.» Ludwig leitet das Projekt «Patientendossiers 2003», mit dem die elektronischen Patientendaten der fünf Schweizer Uni-Spitäler vereinheitlicht werden sollen.

Welche Daten für wen

Die neue Technologie birgt aber auch ein grosses Risiko des Datenmissbrauchs. Damit Unbefugte keinen Zugriff auf die sensiblen Daten erhalten, sind laut Studie umfassende Sicherheitsmassnahmen unerlässlich. Zugriff, Eingabe und Änderung der Daten müssten durch Patientinnen und Patienten autorisiert werden.

Für Konsumentenschützerin Simonetta Sommaruga ist es wichtig, dass der Patient selbst entscheiden kann, ob er seine Daten elektronisch erfasst haben will. Ohne explizite Zustimmung der Patienten dürften die Daten nicht weitergegeben werden.

Problem Datenschutz

Das Problem des Datenschutzes werde von den Verantwortlichen der Studie sehr ernst genommen, sagte der Eidg. Datenschutzbeauftragte Odilo Guntern. In der Praxis werde gerade die Datensicherheit noch zu wenig beachtet. Zudem brauche es Zeit für die Schaffung der nötigen gesetzlichen Grundlagen.

Nach Ansicht von Peter Saladin, Direktor des Berner Inselspitals, sind jedoch genug Gesetze da. Die elektronischen Patientendossiers würden als Hilfsmittel die Qualität der Behandlung erheblich verbessern. Das sei aber mit hohen Kosten verbunden, da die Informatik in den Spitälern «unterentwickelt» sei.

Politik gefordert

Laut Nationalrätin Doris Stump (SP/AG) ist jetzt die Politik gefordert. Stump hat, angeregt durch die Studie, Anfang März eine Interpellation eingereicht. Darin fordert sie den Bundesrat, die Schweizer Regierung, auf, die Standardisierung elektronischer Krankengeschichten zu fördern und Qualitätsstandards sicherzustellen. Die Stellungnahme des Bundesrats dürfte bis Ende Juni erfolgen.

swissinfo und Agenturen

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