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Frauen gründen weniger häufig Unternehmen

Bei Unternehmensgründungen sind Frauen im Vergleich zu den Männern deutlich im Hintertreffen. Von den im Rahmen einer Studie untersuchten Jungunternehmen wurden nur deren 16 Prozent von Frauen gegründet.

Dies hat eine Studie der Fachhochschule Solothurn Nordwestschweiz in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk für Einfrau-Unternehmerinnen ergeben.
Insgesamt wurden für die Studie 750 Personen befragt, die zwischen 1993 und 1997 ein Unternehmen gegründet und ins Handelsregister eingetragen haben.

Eine Auswertung der Antworten zeigt markante geschlechtsspezifische Unterschiede, wie der in Olten am Jahrestag des Frauenstreiktags von 1991 vorgestellten Studie zu entnehmen ist.

Mit einem Anteil von 16 Prozent bei den Unternehmensgründungen ist der Frauenanteil etwa halb so gross wie der statistisch ermittelte Frauenanteil aller Selbständigen. Dies lässt laut Studie den Schluss zu, dass Frauen häufiger Klein- oder Kleinstunternehmen mit weniger als 100’000 Franken Umsatz gründen, der Umsatzgrenze für Handelsregistereintragungen.

Gemäss der Untersuchung ist der Anteil der Jungunternehmerinnen gesunken, und zwar von 20 Prozent im Jahr 1990 auf zehn Prozent im Jahr 1997.

Geschlechtsspezifische Unterschiede gibt es auch bei den Motiven zur Selbständigkeit. Frauen streben stärker nach Unabhängigkeit, Selbstverwirklichung und einer flexiblen Zeiteinteilung. Deutlich öfter führen Frauen auch familiäre Gründe für die Selbständigkeit an. Aus diesen Gründen wollen sie gemäss der Studie kein grösseres Unternehmen.

Während Männer bei der Unternehmensgründung im Durchschnitt 3,2 Angestellte haben, sind es bei den Frauen nur 1,8.

In den ersten vier Geschäftsjahren vergrössert sich die Anzahl der Angestellten bei den Männern auf über 5,3, bei den Frauen auf 2,6. Entsprechend höher ist bei den Männern auch der Kapitalbedarf.

Nachdem der Anteil an Eigenkapital zum Zeitpunkt der Firmengründung bei Männern und Frauen mit durchschnittlich rund 77 Prozent gleich hoch ist, verringern die Frauen in den ersten Jahren ihren Anteil an Fremdkapital, während es bei den Männern eher eine Erhöhung gibt. Damit sind Frauen für die Banken im Durchschnitt bessere Schuldner.

Volkswirtschaftlich gesehen bedeutet der geringe Frauenanteil und die auffallende Kleinheit der Jungunternehmen von Frauen, dass ein nicht ausgeschöpftes Potenzial besteht. Würden gleich viele Frauen wie Männer neue Unternehmen gründen und würde ihre Firmengrösse auf den männlichen Durchschnitt erhöht, dann könnte die Beschäftigungswirkung der Jungunternehmen mehr als verdoppelt werden, wie es heisst.

Ein Haupthindernis dafür, dass viele Frauen ihre Unternehmen nicht vergrössern wollen, ist der damit verbundene Verlust ihrer Unabhängikeit und Flexibilität. Diese Flexibilität ist von Bedeutung, weil viele selbständige Frauen neben dem Beruf auch für Kindererziehung und Haushalt verantwortlich sind. Die Verfasser der Studie kommen deshalb zum Schluss, dass Frauen erst dann vermehrt zusätzliches Engagement in ihr eigenes Unternehmen stecken können, wenn sie eine zeitliche Entlastung in ihrer Familienarbeit erhalten.

Erwähnt werden dabei die Einführung von Tagesschulen und Kinderkrippen, aber auch eine stärkere Mitarbeit der Lebenspartner in der Kindererziehung und im Haushalt sowie die Förderung von flexibler Arbeitszeit und Teilzeitarbeit bei Männern.

swissinfo und Agenturen

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