Functional-Food – kein Ersatz für gesunde Ernährung
Das Functional-Food-Angebot ist kaum gesundheitsfördernd. Eine am Donnerstag (16.11.) vorgestellte Studie fordert verstärkte Forschung über den Nutzen der Produkte. Der Konsumentenschutz verlangt die Abschaffung von Heilanpreisungen für Lebensmittel.
Mit gesundheitsfördernden Bestandteilen angereicherte Nahrungsmittel könnten sich positiv auf die Gesundheit der Bevölkerung auswirken, wird in der im Auftrag des Zentrums für Technologiefolgen-Abschätzung (TA) durchgeführten Studie festgehalten. Beim heutigen Functional-Food-Angebot sei dies aber kaum der Fall.
Für wesentliche ernährungsbedingte Krankheiten wie Krebs seien kaum Produkte auf dem Markt. Functional Food könnte hauptsächlich bei Bevölkerungsgruppen wie älteren Menschen sowie Kindern und Jugendlichen einen Nutzen haben. Diese Zielgruppen würden aber kaum erreicht und hätten in den Marketingstrategien einen geringen Stellenwert.
Marktanteil unter einem Prozent
Die Verfasser der vom Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung in Karlsruhe durchgeführten Studie empfehlen, wissenschaftliche Grundlagen zur Bewertung von Funktion, Wirksamkeit und Sicherheit von Functional Food zu erarbeiten.
Das Marktvolumen von Functional Food beträgt laut Studie in der Schweiz zur Zeit 225 bis 300 Mio. Franken. Der Marktanteil liegt unter einem Prozent des Lebensmittelmarktes, es werden ihm aber interessante Wachstumschancen attestiert.
Anpassung der Lebensmittel-Verordnung nötig
Als zentraler Punkt im Umgang mit Functional Food nennen die Verfasser der Studie die Information der Öffentlichkeit. In der Gesetzgebung empfehlen sie die Schaffung einer Instanz zwischen Lebensmittel- und Heilmittelkontrolle. In der Lebensmittel-Verordnung seien die zulässigen Anpreisungen, die sich auf gesundheitsfördernde Wirkung bezögen, allgemein zu umschreiben. Für jene Produkte, die unter die Heilmittelgesetzgebung fielen, sei ein vereinfachtes Registrierungsverfahren einzuführen.
Die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) fordert die Abschaffung der Gesundheits-Werbung für Functional Food, wie sie in einer Reaktion auf die Studie mitteilte. Die Stiftung sehe nicht ein, warum nur verarbeitete Lebensmittel mit gesundheitsanpreisender Werbung verkauft werden sollten. Der tägliche Apfel zum Beispiel trage genauso zur Gesundheit bei und sei demnach Functional Food.
swissinfo und Agenturen
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