Geringer Nutzen des Investitions-Programms 1997
Ernüchternde Bilanz des Investitions-Programms 1997: Die Baunachfrage erhöhte sich zwar um 2,5 Mrd. Franken und erfüllte damit die Erwartungen. Die Auswirkungen auf die Beschäftigung und das Wirtschaftswachstum waren aber deutlich geringer als erwartet.
Dies sind Ergebnisse des am Donnerstag (05.07.) veröffentlichten Schlussberichts des Staatssekretariats für Wirtschaft (seco) über das Investitionsprogramm 1997.
Ausgangspunkt: Rezessionsjahr 1997
Im Herbst 1996 zeichnete sich nach sechs Stagnationsjahren ein weiteres Jahr mit rezessiven Tendenzen ab. Die Arbeitslosigkeit stieg in der Schweiz auf ein Rekordniveau von 4,7 Prozent. Für 1997 wurde gar mit dem Überschreiten der 5-Prozent-Marke gerechnet.
Zur Bekämpfung der Rezession wurden vom Bundesrat und der Nationalbank neben geldpolitischen und marktwirtschaftlichen Reformen auch ein Investitions-Programm, das der Bauwirtschaft Impulse geben sollte, eingeleitet. Das Programm sollte vorgezogene oder zusätzliche Renovationsprojekte von Kantonen und Gemeinden mit rund 200 Mio. Franken unterstützen.
Gelder nicht ausgeschöpft
Ausbezahlt wurden schliesslich rund 165 Mio. Franken, da rund 180 Projekte zurückgezogen und bei einigen Projekten die Kosten unterschritten wurden.
In den Jahren 1997 und 1999, in denen das Investitions-Programm realisiert wurde, wuchs die Schweizer Wirtschaft wieder spürbar. Das seco hält fest, dass die entscheidenden Gründe dafür nicht beim Investitions-Programm 97 lagen, dieses aber ebenfalls zur Erholung beitrug.
Im Auftrag des Bundes untersuchte die Konjunkturforschungsstelle der ETH (KOF) die Auswirkungen des Programms. Sie kommt zum Schluss, dass ohne das Programm sich die Bautätigkeit deutlich negativer entwickelt hätte. Kumulativ habe sich die Baunachfrage um 2,5 Mrd. Franken erhöht.
Begrenzter Einfluss auf Beschäftigung
Ein deutlich schwächerer Impuls zeigte das Programm auf die Beschäftigung. Die KOF weist eine Beschäftigungs-Zunahme im Umfang von 3’600 Vollzeitstellen aus. In der Botschaft zum Programm war erwartet worden, dass durch das Programm 24’000 Personen während eines Jahres zusätzlich beschäftigt würden.
Auch die positive Wirkung auf das BIP-Wachstum war wesentlich geringer als erwartet. Während in der Botschaft noch von einem Beitrag ans BIP von insgesamt 0,7 Prozentpunkten gerechnet wurde, ergab sich nach KOF-Berechnungen lediglich kumulativ ein BIP-Gewinn von 0,14 Prozent.
Anziehende Importe
Dieses Ergebnis ist vor allem auf die verstärkte Nachfrage nach Importgütern zurückzuführen. Die kumulierte Impulswirkung auf die Gesamtnachfrage von gut 3,5 Mrd. Franken wurde zu über 70 Prozent oder im Umfang von 2,55 Mrd. Franken über Importe befriedigt. Der Nettoeffekt für das BIP-Wachstum ist dadurch geringer als die Auswirkungen auf die Gesamtnachfrage.
swissinfo und Agenturen
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