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Heftige Kritik nach Demission des SAir-Verwaltungsrates

Schlechter Stern über der SAir Group; doch die Flugzeuge heben noch ab. Keystone

Der Rücktritt des Verwaltungsrates (VR) der SAirGroup löste am Samstag (10.03.) heftige Kritik aus. Wegen Verletzung der Offenlegungspflicht könnten der SAirGroup nun auch rechtliche Konsequenzen drohen. Der Bundesrat will nicht eingreifen.

Die heftigste Kritik kam von Seiten der SP und des Schweizerischen Kaufmännischen Verbandes (SKV). Dieser forderte den sofortigen Rücktritt von VR-Präsident Eric Honegger. Nachdem in den vergangenen Wochen nur von Fehlentscheiden und Turbulenzen die Rede gewesen sei, müsse nun endlich die neue Gesamtstrategie sichtbar werden. Die Geduld des Personals sei erschöpft. Die SP machte Honegger persönlich für die Krise verantwortlich.

Laut SAir-Sprecherin Béatrice Tschanz ist ein Abgang Honeggers auf die GV hin nicht vorgesehen. «Zwar kann man inzwischen nichts mehr ausschliessen. Die Meinung ist aber, dass er als Präsident die ganze Aufräumarbeit macht», sagte Tschanz. Dass der verbleibende Verwaltungsrat und Nestlé-Finanzchef Mario Corti VR-Präsident werde, sei «eine zulässige Spekulation.»

Bundesrat hält sich im Hintergrund

Bei der SAirGroup sei eine tragfähige Strategie zusammen mit einem vollzähligen und kompetenten Verwaltungsrat notwendig, liess sich Bundespräsident Moritz Leuenberger über seinen Sprecher Hugo Schittenhelm vernehmen. Wenn auch der weitere Flug der Swissair im Bundesrat aufmerksam verfolgt werde, stünde ein direktes Eingreifen vorerst nicht zur Diskussion. Hilfe finanzieller Art des Bundes sei aufgrund der rechtlichen Grundlagen sehr unwahrscheinlich.

Zum direkten Eingreifen zur Rettung der Swissair wurde der Bundesrat von der SP aufgefordert, die damit eine Zerschlagung und den Ausverkauf der nationalen Fluggesellschaft verhindern will. Die Gefahr eines Verkaufs der Luftverkehrsholding sei momentan gross. Zudem kritisierte die SP den späten Rücktritt des Verwaltungsrates.

Angst um Arbeitsplätze

Der Rückzug des Verwaltungsrats lässt die Befürchtungen um Arbeitsplatzverluste erneut laut werden. Die Vereinigung des Kabinenpersonals (Kapers) fordert mindestens einen Sitz im Verwaltungsrat der SAirGroup. Bei der langfristigen Ausrichtung des Konzerns müsse der Stimme des Personals endlich Gehör verschafft werden, schreibt sie.

Nach Darstellung des Rechnungslegungsexperten Giorgio Behr hat die SAirGroup ihre Offenlegungspflichten im Falle des Frankreich-Engagements massiv verletzt. Honegger bestätigte in einem Interview mit der «Neuen Zürcher Zeitung», dass es eine solche Put-Option gibt. Wird sie ausgeübt, muss die SAirGroup die restlichen Aktien der französischen Beteiligungen im Jahre 2004 zu einem im voraus bestimmten Preis übernehmen.

Behr begründete seine Aussage über die Verletzung der Offenlegungspflichten damit, dass die Put-Option zu einem massiven Mittelabfluss führe, falls die Gegenseite von ihrem Verkaufsrecht Gebrauch mache. Behr schliesst ein Eingreifen der Börsenaufsicht nicht aus und verwies ausserdem auf die Klagemöglichkeiten von Privaten gegen die SAirGroup.

Swissair wird nicht verkauft

Die Swissair werde nicht verkauft, sagt VR-Präsident Eric Honegger. Allenfalls könnte laut Honegger ein strategisches Allianzpartner als Minderheitsaktionär aufgenommen werden. Die Lösung der Probleme in Frankreich und Belgien habe Priorität.

Die Schwierigkeiten mit den Beteiligungen seien viel grösser gewesen als die SAirGroup noch vor einiger Zeit angenommen habe, sagte Honegger in einem NZZ-Interview.

swissinfo und Agenturen

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