Keine Kreativität ohne Rahmenbedingungen
Bundespräsident Moritz Leuenberger plädierte in seiner Eröffnungsrede zum Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos für Kreativität und Rahmenbedingungen.
In seiner mehrheitlich positiv aufgenommenen Rede sprach er zum Motto des 36. WEF, «Der kreative Imperativ».
Davos im Kanton Graubünden gilt als Ort des Utopisten Spengler, eingebürgerter Schweizer und vor zwei Jahrhunderten weltbekannt als Initiant der Behandlungen gegen Tuberkulose.
Davos ist auch der Ort des bekannten Spengler Cups, an dem jedes Jahr einige der besten Eishockeyteams aufeinandertreffen.
In seiner WEF-Eröffnungsrede vor Hunderten von Wirtschaftsführern forderte Bundespräsident Leuenberger die Staaten auf, auch dem Markt Spielregeln zu setzen. Ohne soziale Netze, Meinungsfreiheit, Rechtssicherheit und Bildung seien kreative neue Lösungen nicht zu haben. «Ein Mensch, der Hunger hat, kann nicht kreativ sein. Er braucht alle seine Energie zum Überleben», sagte er.
Notwendige Lösungen
Manche glaubten, im Wettstreit der Ideen bilde sich die beste Lösung von selbst mit der «unsichtbaren Hand der Marktwirtschaft» heraus. «Damit die Konkurrenz im Interesse der Wirtschaft selbst funktioniert», seien staatliche Rahmenbedingungen notwendig, so der Bundespräsident.
Ohne diese Spielregeln in den Bereichen Umwelt, Soziales und Wirtschaft könnten die zukünftigen Generationen ihre Kreativität zur Lösung der weltweiten Probleme nicht entwickeln, erklärte Leuenberger.
Seine humanistische und staatstragende Rede trug dem Motto der 36. Ausgabe des WEF, «Der kreative Imperativ», Rechnung.
«Eine eher gute Rede», meinte ein Redaktor des US-Time Magazine gegenüber swissinfo. Und für den Schweizer Zeichner und Maler Roger Pfund war die Rede des Bundespräsidenten «ausgezeichnet, perfekt». Pfund zu swissinfo: «Moritz Leuenberger sagt das Richtige ohne grosse Worte.»
Im Schatten von Angela Merkel
Ein grosser Teil des Publikums hörte der Rede Leuenbergers scheinbar nur mit dem einen Ohr zu. Denn als Hauptrednerin an der WEF-Eröffnung trat die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel auf. Ihr Auftritt hat die Rede des Schweizer Bundespräsidenten zweifelsohne ein wenig in den Schatten gestellt.
Der Präsident der brasilianischen Exportförderungsagentur, Juan Quiros, ist nicht dieser Ansicht. Leuenbergers Rede sei im Sinne der Entwicklungsländer gewesen. «Er sprach von Innovation und Kreativität. Diese Art Rede öffnet für unsere Länder einen Platz in der Zukunft», so Quiros.
Nüchterner gab sich der ehemalige Schweizer Botschafter in China Uli Sigg. Der China-Kenner und Sammler chinesischer Kunst zu swissinfo: «Eine sehr weitgespannte, sehr hochfliegende Rede.»
swissinfo, Pierre-François Besson, Davos
(Übertragung aus dem Französischen: Jean-Michel Berthoud)
Das 36. WEF vom 25. – 29. Januar steht unter dem Motto «Der kreative Imperativ».
Dieses Jahr nehmen 735 Chefs oder Präsidenten von multinationalen Konzernen am WEF teil.
Ebenfalls anwesend sind 15 Staatschefs sowie zahlreiche Minister.
Neben Sportgrössen wie Pelé und Mohammed Ali sind noch weitere VIP in Davos, so namentlich die Musiker Bono und Peter Gabriel sowie die Filmschauspielerin Angelina Jolie.
Bundespräsident Moritz Leuenberger, zum zweiten Mal in diesem Amt, hielt am Mittwoch die Eröffnungsrede des Weltwirtschaftsforums (WEF) 2006.
Zuvor traf Leuenberger am Nachmittag in Davos die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und den pakistanischen Präsidenten Pervez Musharraf.
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