Massiver Stellenabbau bei Swissair
Swissair-Chef Mario Corti hat am Montagabend die Mitarbeitenden über die weitere Zukunft des Konzerns informiert. Dabei kündigte er den Abbau von weltweit 9'000 Arbeitsplätzen der insgesamt 71'000 Beschäftigten an.
Für den Oktober sei die Zahlung der Löhne gesichert, hielt Corti nach Angaben von Swissair-Sprecher Siro Barino vor den Mitarbeitenden fest. Die Information war nicht öffentlich.
Der Stellenabbau erfolge so menschlich wie möglich, sagte Corti nach Auskunft Barinos. Ein Grossteil der notwendigen Entlassungen werde noch im Oktober bekanntgegeben. Swissair-Verwaltungsrat Bénédict Hentsch werde zusammen mit Personalvertretern einen Sozialplan ausarbeiten.
Im Falle der Catering-Tochter Gate Gourmet kündigte die Swissair die Entlassung von 250 Vollzeit- und 170 Teilzeitangestellten in Zürich bis Ende März 2002 an. Die Massnahme ist Teil des früher bekannt gegebenen Abbaus von 3’000 Stellen bei Gate Gourmet. Weltweit sind es rund 30’000 Personen, die für das zweitgrösste Catering-Unternehmen der Welt arbeiten.
Corti hat laut Barino die Mitarbeitenden zudem aufgerufen, den von Crossair-Chef André Dosé geplanten Aufbau der neuen Fluggesellschaft zu unterstützen. Dieser sieht die Übernahme von je 26 Lang- und Kurzstreckenflügen der Swissair durch die Crossair vor.
Phoenix-Plan nicht von Corti
Die von Medien am Montag berichtete Darstellung, dass der Phoenix-Plan von ihm selber ausgeheckt worden sei, treffe in keiner Weise zu, betonte Corti nach Angaben Barinos. Noch am Freitag vor einer Woche habe Corti nichts davon gewusst.
Der Plan sieht vor, dass die Crossair aus dem Konzern herausgelöst, ihr ein Teil der Swissair-Aktivitäten übertragen und der Rest des Fluggeschäfts in die Nachlassstundung geschickt wird.
Corti hielt auch weiter daran fest, dass die Swissair am vergangenen Dienstag nicht genug Liquidität zur Verfügung hatte, um den Flugbetrieb weiterzuführen. Am Montagabend habe der Konzern nur noch 44 Mio. Franken zur Verfügung gehabt, davon seien 20 Mio. Franken blockiert gewesen, sagte Corti. Demgegenüber hatte UBS-Präsident Marcel Ospel mehrmals festgehalten, dass der Swissair genug Geld zur Verfügung gestanden habe.
Schwierigkeiten unterschätzt
Er habe die Schwierigkeiten des Konzerns unterschätzt, räumte Corti vor den Mitarbeitenden ein. Die Anschläge in den USA hätten sich allerdings extrem ausgewirkt. Sie hätten die Ertragsaussichten verringert, die Möglichkeiten von Firmenverkäufen eingeschränkt und die Situation für Bankkredite verschlechtert. Rund 3 Mrd. Franken seien dadurch weniger in die Swissair-Kassen geflossen.
Die Gewerkschaften und Personalverbände zeigten sich vom Stellenabbau wenig überrascht. «Die von Corti vorgelegten Zahlen entsprechen unseren Erwartungen», erklärte Richard Dunkel von der Gewerkschaft PUSH (Personal Union Swissair Holding).
Verbilligte Pauschalpreise
Bei der alten Swissair liefen am Montag die Bemühungen zur Fortsetzung eines reduzierten Flugbetriebs in der Übergangsphase weiter. Im Bemühen um gute Auslastung und Bareinnahmen bietet die Swissair bis zum 27. Oktober verbilligte Pauschalpreise für Lang- und Kurzstreckenflüge an. 300 Franken kostet bei Barzahlung ein Retourflug in der Economy-Class, 800 Franken ein Langstreckenflug.
Montag und Dienstag waren je rund 55 Prozent des normalen Flugbetriebs im Angebot. Die Liquiditätsplanung für die kommenden Tage lief unter der Koordination der Task Force des Bundes auf Hochtouren weiter. Eine Aufstockung des erst zu gut 70 Prozent beanspruchten Bundeskredits von 450 Mio. Franken war in Bern kein Thema.
Der Überbrückungskredit der Grossbanken von 250 Mio. Franken für die flugnahen Betriebe ist wegen der Bedingung zur Verpfändung von Aktien von Swissair-Tochtergesellschaften vorerst blockiert. Der Nachlassrichter muss entscheiden, ob die Absegnung dieser Bedingung mit Rücksicht auf das Gesamtinteresse der Gläubiger in seine Zuständigkeit fällt.
Das Nachlassverfahren griff inzwischen auf die beiden Frachttöchter der Swissair-Gruppe über. Der Nachlassrichter in Bülach (ZH) genehmigte am Montag eine provisorische Nachlassstundung für Swisscargo und Cargologic für zwei Monate.
swissinfo und Agenturen
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