Mehr Sicherheit in den Schweizer Strassentunnels
Die Sicherheit der Schweizer Strassentunnels soll mit technischen und organisatorischen Massnahmen verbessert werden. Die nach der Katastrophe im Mont-Blanc-Tunnel eingesetzte Task Force fordert zusätzlich bis zu 100 Mio. Franken pro Jahr.
Daneben will die Task Force vor allem auf das Verhalten der Verkehrsteilnehmer einwirken.
Die Tunnel Task Force des Bundesamtes für Strassen (Astra) untersuchte nach den letztjährigen Bränden im Mont-Blanc- und im Tauern-Tunnel die Sicherheit in den Schweizer Strassentunnels und veröffentlichte am Dienstag (23.05.) ihren Schlussbericht.
Die Gefahr in den Tunnels müsse ernst genommen werden, dürfe aber nicht Anlass zu Panik geben, sagte Astra-Vizedirektor Michel Egger in Lully (FR). Grosse bauliche Veränderungen drängen sich laut den Experten nicht auf. Sie wollen vor allem auf das Verhalten der Tunnelbenutzer bei einem Stau oder einem Brand hinwirken und die Infrastruktur optimieren.
An vier Tunnels der San-Bernardino-Autobahn wurde die Nachrüstung der Brandbeleuchtung bereits eingeleitet. Insgesamt wird für die nächsten fünf Jahre eine Erhöhung des Budgets für den Nationalstrassenunterhalt von jährlich 80 bis 100 Millionen Franken gefordert.
Da die Hauptursache für Unfälle vor allem beim Verhalten der Verkehrsteilnehmer liege, müsse die Tunnelsicherheit mit Ausbildung, Information, Vorschriften und Kontrollen verbessert werden, heisst es im Bericht weiter. Die Führerprüfung sei mit spezifischen Fragen zum Verhalten bei Stau und Brand im Tunnel zu ergänzen. Die an Ostern begonnene Informationskampagne soll vor Pfingsten und den Sommerferien intensiviert werden.
Daneben müssten die Kontrollen des Schwerverkehrs und insbesondere der Gefahrengutransporte verbessert werden. Für letztere bestünden bereits weitgehende Vorschriften. Sie kämen aber nur zum Tragen, wenn sie auch durchgesetzt werden. Die Vorschriften für Gefahrenguttransporte seien zudem international zu verschärfen.
Für jeden Tunnel von mehr als 600 Metern Länge wird zudem ein Sicherheitsbeauftragter gefordert. Dieser soll mit notwendigen Kompetenzen und Weisungsbefugnissen ausgestattet werden, Ereignisdienste und Einsatzkonzepte erarbeiten sowie Betriebspersonal und Verkehrspolizei ausbilden. In Übungen sollen Brand- und Rettungseinsätze möglichst wirkungsnah trainiert werden.
Wie bereits im Herbst letzten Jahres festgestellt, sieht die Task Force keine Notwendigkeit nach einer zweiten Röhre am Gotthard. Die Möglichkeit zur Selbstrettung der Tunnelbenützer sei genügend. Die Zahl der Tunnelröhren sei in erster Linie aufgrund der prognostizierten Verkehrsbelastung festzulegen.
Abgelehnt hat die Task Force auch eine Höchstgeschwindigkeit für Lastwagen in Tunnels von 60 Kilometer pro Stunde, ebenso eine generelle Abstandsvorschrift zwischen Lastwagen von 100 Metern. In beiden Fällen würde die Staugefahr zunehmen.
Die Task Force nahm auch Stellung zu dem im April veröffentlichten Tunneltest des deutschen Automobilistenverbandes ADAC. Dieser hatte in zahlreichen europäischen Strassentunnels Sicherheitsmängel festgestellt. Am besten schnitt der Gubrist-Tunnel der Autobahn A1 bei Zürich ab. Als bedenklich wurden in der Schweiz drei Tunnels eingestuft: Crapteig (A13 bei Thusis), Isla Bella (A13 bei Chur) und San Salvatore (A2 bei Lugano).
Insbesondere mit der Nachrüstung auf der San-Bernardino-Route nehme das ASTRA die Folgerungen des ADAC-Berichts auf, sagte Egger. Dessen Schlussfolgerungen würden von seinem Amt weitgehend geteilt.
swissinfo und Agenturen
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