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SAirGroup: das Jahr der unangenehmen Überraschungen

Das Jahr 2000 war für die SAir Group alles andere als ungetrübt. Keystone

Für die SAirGroup haben sich in diesem Jahr, welches eigentlich eine neue Etappe in der Ausweitung auf Europa hätte werden sollen, die Unannehmlichkeiten gehäuft: Die Kosten sind explodiert, ebenso die dauernden Probleme mit den jüngsten Anschaffungen.

Vor einem Jahr hatte sich Philippe Bruggisser, Chef der SAirGroup, alles ganz anders vorgestellt, nachdem es beim Jahrtausendwechsel zu keinem Absturz gekommen war. Die Gruppe, der die Swissair gehört, ging daran, die Mehrheit der Sabena zu übernehmen und der Air France auf deren eigenem Territorium Konkurrenz zu machen.

Die Sabena, an der die Belgier sehr hängen, war 1998 nach einer mit Fingerspitzengefühl vom Mann in Zürich, Paul Reutlinger, durchgeführten Sanierung aus den roten Zahlen gekommen.

Heute ist die Situation mit einem Verlust von über 70 Mio. Dollar im ersten Halbjahr wesentlich schlechter. Der neue Generaldirektor, der Deutsche Christoph Müller, sieht «Notmassnahmen» vor.

Mit dem Katastrophenplan «Blue Sky» sollen jährlich rund 300 Mio. Dollar eingespart werden, aber bis dahin muss die SAirGroup voraussichtlich nochmals Geld in die belgische Gesellschaft einschiessen.

Das hat Philippe Bruggisser an einem Treffen mit den Gewerkschaften in Brüssel versprochen, allerdings unter einer Bedingung: das Personal und der belgische Staat, welchem noch 50,5 Prozent der Aktien gehören, müssen das Ihre beitragen. Noch ist nichts entschieden: die Gewerkschaften sprechen von einem «inakzeptablen» Plan.

Die Fortsetzung des belgischen Abenteuers der SAirGroup hängt von den bilateralen Verträgen zwischen der Schweiz und der europäischen Union ab: erst wenn diese in Kraft sind, womit die Schweizer Gesellschaft europäisch wird, hat die Gruppe mit 85 Prozent mehr Macht über die Sabena.

Die Nachrichten aus Frankreich sind für die SAirGroup kaum erfreulicher: man spricht von einem Loch von insgesamt fast 300 Mio. Dollar für die drei Gesellschaften unter Schweizer Fittichen, AOM, Air Littoral und Air Liberté. Eine grosse Herausforderung für Paul Reutlinger, dem in Paris seine Erfahrungen mit den Sozialkonflikten in Brüssel zugute kommen. Aber das Pendeln zwischen Genf und Orly an Bord einer Fokker 100 ist auf viel Kritiken gestossen.

Und was allem die Krone aufsetzt: auch die deutsche LTU hält nicht, was sie versprochen hat. Kein Wunder, dass die Aktien der SAirGroup an der Börse auf Tauchkurs sind.

Thierry Zweifel, Brüssel

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