SBB fahren in die schwarzen Zahlen
Die Schweizerischen Bundesbahnen SBB erzielten im ersten Jahr als AG einen Reingewinn von 120 Mio. Franken. Verkehrsaufkommen und Produktivitäte wurden gesteigert. Nach mehrjähriger Talfahrt stiegen die Erträge im Personen- und Güterverkehr.
Die Beschäftigten, deren Zahl um weitere fünf Prozent sank, erhalten einen Bonus von 1’000 Franken pro Person.
Die SBB-Spitze zeigte sich an der Bilanzpressekonferenz vom Freitag (05.05.) in Zürich rundum zufrieden mit den Leistungen im ersten Jahr als Aktiengesellschaft (AG). Bei einem Umsatz von 5,751 Mrd. Franken wird für 1999 ein Reingewinn von 120,3 Mio. Franken ausgewiesen, verglichen mit einem nur bedingt vergleichbaren Vorjahresverlust von 21,3 Mio. Franken.
Der Betriebsgewinn betrug 275 Mio. Franken. SBB-Geschäftsleitungspräsident Benedikt Weibel erinnerte daran, dass die Bahn nur sieben Mio. Franken Gewinn budgetiert hatte. Das deutlich bessere Ergebnis führte er auf die nach mehrjähriger Talfahrt wieder gestiegenen Erträge im Personen- und im Güterverkehr sowie auf den unter Budget liegenden Aufwand zurück.
SBB-Verwaltungsratspräsident Thierry Lalive d’Epinay betonte, dass das Ergebnis nicht einfach das Resultat der Entschuldung der SBB, sondern die Folge der anhaltenden Anstrengungen zur Effizienzsteigerung sei. Die Leistungen des Bundes an die SBB machten 1,273 Mrd. Franken aus und waren damit der zweitgrösste Posten in der Ertragsrechnung.
Die SBB beförderten letztes Jahr 276 Millionen Passagiere oder knapp vier Prozent mehr als 1998. Die Zahl der gefahrenen Kilometer stieg um ein Prozent auf 12,6 Milliarden. Der Ertrag aus dem Personenverkehr erhöhte sich um 4,6 Prozent auf 1,604 Mrd. Franken. Jeder Kunde habe die Bahn ein- bis zweimal mehr benutzt als im Vorjahr, errechnete Lalive.
Zum Mehrverkehr trug vor allem das Halbtaxabonnement bei. Im Güterverkehr wurden die Tonnagen auf einen neuen Rekordwert von 57,3 Millionen Tonnen gesteigert – 9,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Ertrag nahm um 3,5 Prozent auf 1,013 Mrd. Franken zu.
Personalbestand sank unter 30’000
Auf der Aufwandseite sparten die SBB bei Investitionen und Personal. Die Investitionen in die Infrastruktur wurden laut Weibel einer rigorosen Verzichtplanung unterworfen, so dass der mit dem Bund vereinbarte Zahlungsrahmen von 1,5 Mrd. Franken für 1999 um rund 200 Mio. unterschritten wurde. Der Personalaufwand wurde um 4,9 Prozent gedrückt und unterschritt nach den Worten vonWeibel damit den Stand von 1990. Der Personalbestand wurde umweitere 5,3 Prozent auf weniger als 30’000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gesenkt.
Angesichts des Gewinnausweises für 1999 machen die Bahnchefs ihr Versprechen von 1996 wahr und zahlen jedem Beschäftigten im laufenden Monat eine einmalige Prämie von 1’000 Franken aus. 1996 wurde dem Personal trotz heftigen Protesten ein Lohnopfer von zwei Prozent abgerungen; seither glichen die SBB auch die Teuerung nicht mehr aus.
Acht S-Bahn-Systeme bis ins Jahr 2005
Die Basis für ein gesundes Wachstum sei geschaffen, sagte Lalive. Bis ins Jahr 2005 sollen gesamtschweizerisch acht S-Bahn-Systeme stehen. Im Güterverkehr wollen die SBB nach der Allianz mit den italienischen Staatsbahnen auch mit anderen europäischen Bahnen kooperieren. Der Start ins laufende Jahr ist gemäss Weibel gut gelungen. Profitieren konnte die Bahn unter anderem von den Folgen des Orkans «Lothar»: Die Holztransportmenge stieg auf das Vierfache der üblichen Menge.
Aber auch im Transitgüterverkehr wurde im ersten Quartal ein Plus von 9,3 Prozent erzielt. Die Erträge im Güterverkehr erhöhten sich um gut vier Prozent, die Mengen um rund acht Prozent. Aus dem Personenverkehr nahmen die SBB 2,3 Prozent mehr ein. Für das ganze Jahr stellte Weibel ein Ergebnis in der Höhe des Vorjahres in Aussicht.
swissinfo und Agenturen
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