SBB-Neigezüge: Noch mehr lockere Schrauben
Bei der Kontrolle der SBB-Neigezüge sind vier weitere lockere Schrauben entdeckt worden. Sabotage wird als Ursache definitiv ausgeschlossen. Die überprüften Züge werden ab Montag wieder auf der Jurasüdfusslinie eingesetzt. Die Kontrollintervalle werden verkürzt.
Bei fünf Neigezügen (ICN) waren am Freitagmorgen die Kontrollen der Drehgestelle abgeschlossen. Bei den dabei kontrollierten 12’400 Schrauben-Verbindungen mussten insgesamt vier Schrauben ersetzt werden, die sich mindestens eine ganze Umdrehung anziehen liessen. Sie wurden für weitere Untersuchungen an die Eidgenössische Materialprüfungsanstalt (EMPA) gesandt.
Im Antriebsbereich dagegen, in dem die Schrauben bereits nach der Entgleisung eines Neigezugs zusätzlich kontrolliert wurden, seien bei der erneuten Inspektion sämtliche Schrauben-Verbindungen in Ordnung gewesen, heisst es. Die Kontrolle aller Neigezüge wurde veranlasst, nachdem Ende Juli in Zürich-Oerlikon ein ICN entgleiste und am vergangenen Sonntag ein ICN Teile am Lenkgestänge verloren hatte.
Insgesamt müssen rund 57’000 Schrauben-Verbindungen bei den 23 betroffenen Zügen geprüft werden. Rund 30 Techniker führen die Kontrollarbeiten im Schichtbetrieb durch.
Problemloser Ersatzbetrieb
Die kontrollierten Neigezüge werden ab Dienstag kommender Woche wieder schrittweise zum Einsatz kommen. Auch die Zugtaufe «Johanna Spyri» und die damit verbundene Eröffnungsfahrt der neuen Neigezugs-Komposition von Zürich nach Bad Ragaz am Samstag wird durchgeführt.
Als Trost für den Komfortverlust im nicht klimatisierten Ersatzmaterial wurden den Fahrgästen auf der Jurasüdfuss-Linie in den letzten Tagen rund 10’000 Getränke verteilt.
Der Betrieb der Ersatzzüge verlief ohne grössere Probleme. Es gab Verspätungen im Bereich von drei bis sechs Minuten. Die «Neue Zürcher Zeitung» warf in diesem Zusammenhang die Frage auf, ob die Neigetechnik nicht überflüssig sei, wenn die Fahrzeiten mit normalen Wagen anscheinend mühelos eingehalten werden könnten.
swissinfo und Agenturen
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards
Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!
Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch