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Schweizer Exportindustrie befürchtet Einbussen

Auch die Schweizer Maschinenindustrie befürchtet Folgen wegen der Terroranschläge in den USA. Keystone

Nach den verheerenden Terroranschlägen in den USA befürchtet die Schweizer Exportindustrie einen Absatzeinbruch. Betroffen sind vor allem die Maschinen-, Chemie- und Pharmaindustrie. Einbussen erwartet auch die Uhrenindustrie.

Die USA sind mit über 17,4 Mrd Franken (10,9 Mrd. Dollar) pro Jahr der zweitgrösste Exportmarkt der Schweiz. 40% der jährlichen Exporte von Pharma-Konzernen wie Novartis und Roche gehen in die USA. In der Schweiz arbeiten 70’000 Leute für amerikanische Unternehmen.

Weil die Schweizer Wirtschaft höchst abhängig von den internationalen Beziehungen sei, werde eine unsichere Entwicklung in den USA ganz klar negative Folgen für Schweizer Firmen haben, sagt Stephan Meier von Osec Business Network Switzerland. «Der Banken- und Finanzsektor wird irgendwie für den Schaden bezahlen müssen. Klassische Exporteure wie Uhren- und Maschinen-Industrie werden getroffen, ganz zu schweigen von der Luftfahrt-Industrie.»

Die Aktien stürzten ab, Tausende von kommerziellen Fluggesellschaften strandeten und Banken und Finanzinstitute haben noch gar nicht damit begonnen, die Sanierungskosten zu berechnen. Die Terroranschläge haben die westlichen Finanz- und Wirtschaftssysteme arg verunsichert, und viele befürchten nicht nur eine Rezession in den USA, sondern weltweit – also auch in der Schweiz. Ob die Schläge gegen die USA die Weltwirtschaft destabilisiert oder nur vorübergehend verunsichert, könne man allerdings noch nicht sagen, meinen Analysten.

Ölpreis instabil

Infolge der Terroranschläge fielen zahlreiche USA-Flüge der Swissair aus. Das hat der ohnehin maroden Airline noch zusätzlich geschadet. Falls die Treibstoffpreise massiv ansteigen sollten, würde es für die Swissair noch bitterer aussehen.

In den kommenden Wochen und Monaten werde der Ölpreis extrem instabil sein, sagt Ralph Hartl von der Schweizerischen Erdöl-Vereinigung. Die Konsumenten müssten mit grosser Unruhe und Spekulationen auf dem Markt rechnen.

Auch Tourismus und Uhrenindustrie

Auch die Tourismus-Industrie könnte unter den internationalen Spannungen leiden. «Natürlich verzeichneten wir eine Vielzahl von Abbestellungen», sagt Kuoni-Sprecherin Regula Weyermann. Etwa 1’500 Personen hätten ihre USA-Reisen annuliert. Auch in umgekehrter Richtung werde dies passieren. Einziger Trost für die Tourismus-Branche sei, dass in dieser Jahreszeit eh Tiefsaison sei.

Vom Vertrauensverlust der Konsumenten betroffen sind auch Luxusgüter-Produzenten – wie etwa die Firma Richemont – , die vom US-Markt abhängig sind. Die Schweizer Uhrenindustrie liefert fast einen Fünftel ihrer Exporte in die USA. Als Folge der Anschläge könnte das US-Geschäft jedoch stärker leiden als befürchtet, sagt Jean-Daniel Pasche, Direktor des Verbandes der Schweizerischen Uhrenindustrie. «Das Konsumklima ist nicht gut, die Menschen haben jetzt andere Prioritäten.»

Angst vor einer Eskalation

Die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM), die bereits im 2. Quartal 2001 einen Rückgang der Aufträge rergistriert hat, befürchtet eine Akzentuierung dieser Entwicklung. Die MEM-Industrie liefert 13% ihrer Exporte direkt in die USA. Alles hänge davon ab, wie die USA auf die Anschläge reagieren würden, sagt Dorothea Tiefenauer vom Branchenverband Swissmem.

Dies sieht auch Beat Moser, Direktor der Schweizerischen Gesellschaft für chemische Industrie, so. Das Geschäft sei zwar schon vor den Anschlägen schlecht gelaufen. Mit einer weiteren Abschwächung als Folge der Attentate rechne er daher nicht – es sei denn, die politische Entwicklung spitze sich dramatisch zu.

swissinfo und Agenturen

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