Swissair: Allianz mit Oneworld naheliegend
Eine Allianz mit Oneworld wäre nach Ansicht von André Dosé, dem neuen Chef des Swissair-Fluggeschäfts, die naheliegendste Möglichkeit für den in arger Geldnot steckenden Schweizer Flugkonzern.
«Wir würden die Oneworld-Allianz gut ergänzen. Das könnten wir in der Planung des Netzwerks berücksichtigen», sagte Dosé in einem Interview mit der Wirtschaftszeitung «Finanz und Wirtschaft» vom Mittwoch. Zu Oneworld gehören die Fluggesellschaften British Airways, American Airlines, Cathay Pacific und Qantas.
Allerdings ist dies nach seiner Ansicht nicht die einzige Lösung für die Swissair. «Ich möchte nirgendwo verhandeln, ohne eine weitere Option in der Tasche zu haben», sagte Dosé weiter. Es gebe noch Sky Team und die Star Alliance.
Zur Star Alliance gehören die Deutsche Lufthansa, Singapore Airlines und Air Canada. Die Allianz SkyTeam umfasst Air France, Delta Air Lines und Alitalia.
Finanzierung dürfte zustande kommen
Der ehemalige Crossair-Chef zeigte sich optimistisch, dass die Refinanzierung der Swissair zustande komme: «Ich bin überzeugt, dass wir mit unserem Konzept eine attraktive Airline entwickeln können. Auf dieser Grundlage dürfte die Finanzierung möglich sein.»
Im Hinblick auf mögliche Konflikte um die Pilotenlöhne bei Swissair sagte Dosé: «Wenn nicht alle miteinander kooperieren, dann gelingt die Übung nicht. Wir haben jetzt nur noch eine letzte Chance zur Rettung der Swissair Group.»
In einen Interview mit der Westschweizer Zeitung «Le Temps» sagte Dosé, dass er die Umsatz-Einbussen für die Crossair seit den Anschlägen in den USA auf rund 2,7 Mio. Franken schätze. Insgesamt dürfte die Regional-Fluggesellschaft 9’600 Passagiere in den letzten zwei Wochen verloren haben.
Unklarer Umfang des Abbaus
Wieviele der 10’600 Stellen der beiden Fluggesellschaften bei der Fusion von Swissair und Crossair gestrichen werden, steht noch nicht fest. «Von den gegenwärtig 1’200 Swissair-Piloten werden etwa 300 ihre Stelle verlieren, wobei Entlassungen kaum vermeidbar sein werden», sagte Markus Jöhl, Präsident der Swissair-Pilotenvereinigung Aeropers, am Mittwoch in Glattbrugg vor den Medien.
Die Piloten der Swissair wollten vorerst nicht über Lohnreduktionen verhandeln. Sämtliche Gespräche mit dem Swissair-Management fänden auf der Basis des bestehenden Gesamtarbeitsvertrags statt, sagte Jöhl.
«Wir stellen uns keiner Sanierung der Swissair in den Weg», betonte Jöhl. Aber: «Die momentane Situation der Swissair ist nicht die Schuld der Piloten», sagte Jöhl in Bezug auf die wieder aufgeflackerte Lohndiskussion. Bei einem jährlichen Gesamtaufwand der Swissair von 12,2 Mrd. Franken machten die Piloten-Löhne 2,5% aus. Das Thema Pilotenlöhne sei für das Überleben der Swissair nicht matchentscheidend.
Sicher ist, dass 25% der 35 Langstrecken-Verbindungen bis 2004 aufgegeben werden und die Swissair-Flotte um 9 auf noch 67 Maschinen reduziert wird. Bei den Kurz- und Mittelstreckenflugzeugen weiss man bisher nur, dass die Flotten der beiden Fluggesellschaften zusammengelegt werden. Die Crossair verfügt wie die Swissair bis anhin ebenfalls über 76 Maschinen.
Verlängerung der Bundesgarantie zeichnet sich ab
Die Verhandlungen der Fluggesellschaften mit den Versicherungen über die gekündigte Deckung für Drittschäden bei Krieg und Terror sind bislang ohne Fortschritte geblieben. In der Schweiz zeichnet sich eine Verlängerung der Bundesgarantie ab.
Die Kostensituation sei für die Fluggesellschaften dank der vom Bund für 14 Tage gewährten Deckung für Drittschäden bei Krieg und Terror vorläufig unverändert, sagte Crossair-Sprecher Andreas Schwander. Demnach sei eine Verlängerung dieser Staatsgarantie wahrscheinlich nicht zu vermeiden.
Denn «in zwei Wochen erreicht man im Versicherungsmarkt nichts», sagte Schwander. Auch hätten alle anderen Länder eine Deckung über einen Monat gewährt, Neuseeland sogar auf unbestimmte Zeit.
swissinfo und Agenturen
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