Swissair: Börse reagiert positiv auf Sanierungs-Pläne
Die Swissair Group befindet sich nach den Worten von Konzernchef Mario Corti nach wie vor in einer angespannten finanziellen Lage. Erste Schritte zur Sanierung seien eingeleitet worden, hiess es in einer Erklärung Cortis, die den Medien am Donnerstagmorgen (12.07.) zugestellt wurde. Weitere Verkäufe sollen Swissair in den nächsten 18 Monaten rund 3 Mrd. Franken in die leeren Kassen bringen. Die Börse hat positiv reagiert, die Titel stiegen um 14,6 Prozent.
In der Erklärung Cortis heisst es, trotz der schwierigen Lage seien indessen genügend flüssige Mittel und Kreditlinien vorhanden, um das laufende Geschäft zu finanzieren. Es müsse aber noch sehr viel mehr geschehen, damit die Swissair-Gruppe wieder festen Boden finde und noch viel mehr, wenn die Swissair ihrem Ruf als eine der führenden Fluggesellschaften wieder gerecht werden wolle.
Konzentration auf das Kerngeschäft
In den ersten drei Monaten sei die Nettoverschuldung von 6,8 Mrd. auf 8,3 Mrd. Franken angestiegen. Bis Ende Juni sei sie jedoch wieder auf 7,8 Mrd. Franken gesunken, heisst es in der Mitteilung von Konzernchef Corti. Der Konzern will sich auf das Kerngeschäft konzentrieren. Geplant sind weitere Verkäufe, die rund 3 Mrd. Franken in die leeren Kassen bringen sollen.
Die Gruppe wolle sich mit ihrem Fluggeschäft von Swissair und Crossair sowie mit den rentablen Unternehmens-Bereichen Gate Gourmet und Nuance weiter entwickeln, heisst es. Bereiche, die nicht zum Kerngeschäft gehören, sollen verkauft werden. Die Verkäufe sollen innerhalb der nächsten 18 Monaten stattfinden und mehr als 3 Mrd. Franken einbringen. Frühere Verkäufe haben bereits 900 Mio. Franken eingebracht.
Kapazitätsabbau im Fluggeschäft
Bei den Sparmassnahmen steht dabei das Fluggeschäft im Vordergrund. Hier soll es gemäss Corti zu einem Kapazitätsausbau kommen. Zudem soll der Akzent auf Linien mit ertragsstarkem Verkehr gelegt werden. Neben dem Schwerpunkt von Zürich als interkontinentalem Hub, sollen die rentablen Flüge ab Genf ausgebaut werden.
Der Sparhebel wird jedoch auf allen Ebenen angesetzt. Aus der Belegschaft seien Vorschläge mit einem Sparpotenzial von mehr als 215 Mio. Franken eingegangen, heisst es weiter in der Mitteilung. Einen Stellenabbau in grossem Stil werde es nicht geben, betont der starke Mann an der Swissair-Spitze. Die natürliche Fluktuation im Gesamtkonzern betrage rund 5%.
Dank einer Trennungs-Vereinbarung mit der maroden französischen Air Littoral spart die Swissair gemäss Corti jährlich 160 Mio. Franken. Daneben wurde die operative Unterstützung für die konkursite AOM/Air Liberté eingestellt, was noch einmal zu Einsparungen von jährlich rund 800 Mio. Franken führt.
Erstes Halbjahr: «Zufriedenstellende Resultate»
Im ersten Halbjahr habe die Swissair trotz schlechter Rahmenbedingungen im Luftfahrt-Kerngeschäft – so Corti – «zufriedenstellende Resultate» erzielt.
In den ersten fünf Monaten hat die Gruppe den Umsatz um 5,2% auf 6,4 Mrd. Franken gesteigert. Die Einkünfte aus dem Luftfahrt-Kerngeschäft sind um 8,9% auf 2,9 Mrd. Fr. gestiegen. Der EBIT (Betriebsgewinn ohne Beteiligungen) liegt auf dem Vorjahresniveau.
Positive Reaktionen
Die Gewerkschaften VPOD Luftverkehr und die Vereinigung des Cockpit-Personals (Aeropers) begrüssen das Massnahme-Paket. Die mittelfristigen Perspektiven für das Personal seinen aber unsicher, hiess es mit Blick auf allfällige Allianzen(mehr dazu siehe link).
Zufrieden äusserten sich die Kleinaktionäre: die angekündigten Massnahmen dürften aus ihrer Sicht zu einer deutlichen Kosten-Entlastung führen, sagte der Winterthurer Anwalt Hans-Jakob Heitz, der die Kleinaktionäre vertritt.
Aktie im Steigflug
An der Schweizer Börse SWX legten die Swissair-Aktien am Donnerstag-Vormittag kräftig zu. Die Titel notierten um 11.30 Uhr bei 105 Franken, was einem Plus von 14,6 Prozent entspricht. Der Swiss Market Index stieg um 1,1 Prozent.
swissinfo und Agenturen
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