UBS übernimmt US-Konzern PaineWebber
Der Schweizer Finanzkonzern UBS baut seine Position als weltgrösster Vermögensverwalter weiter aus. Er übernimmt für umgerechnet rund 17,6 Mrd. Franken die New Yorker Privatbank PaineWebber, die Nummer Vier im lukrativen US-Privatkunden-Geschäft.
Beteiligte Banken sprechen von Traumhochzeit
Bei den beiden Banken herrschte am Mittwoch (12.07.) grosse Freude über den Zusammenschluss. Die Kombination sei «eine himmlische Ehe», sagte UBS-Konzerchef Marcel Ospel vor den Medien. PaineWebber-Konzernchef Donald Marron hielt fest, in der UBS habe man den Parter gefunden, mit dem das boomende Privatkundengeschäft global expandiert werden könne.
PaineWebber als Schlüssel zum Geschäft in den USA
PaineWebber soll in die Investment- und Wertschriftensparte von UBS Warburg Dillon Read integriert werden, aber auf dem US-Markt weiterhin unter eigenem Namen auftreten.
Dank der Partnerschaft könne die UBS ihre Stellung in den USA, dem weltweit wichtigsten Markt für Finanzdienstleistungen, entscheidend verstärken, erklärte UBS-Chef Marcel Ospel. Bisher hatte die UBS in den USA ein «strategisches Loch», wie Ospel es nannte.
Mit dem Zusammenschluss werde UBS Warburg zu einem der wenigen weltweit tätigen Investment-Service-Unternehmen. Die UBS hat in den USA bereits eine führende Stellung bei nichtamerikanischen Anlageprodukten.
Nach der Übernahme wird bei UBS Warburg die Hälfte der verwalteten Vermögen von US-Kunden stammen. Bislang waren es nur 4 Prozent. 15 Prozent der Vermögen stammen aus der Schweiz, der Rest aus aller Welt, hiess es von Seiten der UBS weiter.
Die Nummer vier in den USA
PaineWebber beschäftigt als viertgrösster US-Broker in 385 Geschäftsstellen über 20’000 Personen, davon 8’554 Händler. Die Kundeneinlagen erreichten im 1. Quartal 2000 rund 452 Mrd. Dollar. Durch die Fusion erhält die UBS Zugang zu über 2,7 Millionen US-Kunden. Die UBS selber hat 1999 mit weltweit 49’000 Mitarbeitern Kundengelder in der Höhe von 1’077 Mrd. Dollar verwaltet.
Die beiden Banken ergänzten sich weitgehend, Überlappungen gebe es nur wenige, führte Ospel aus. Für die Beschäftigten und Kunden soll sich kaum etwas ändern. Die UBS rechnet denn auch nur mit Synergien von 425 Mio. Dollar pro Jahr.
Ab 2002 sollen diese voll realisiert werden können. Etwa 55 Prozent davon sollen höhere Einnahmen und 45 Prozent Kosteneinsparungen ausmachen. Umgekehrt geht sie von Restrukturierungskosten von 400 Mio. Dollar aus.
Bonuszahlungen für Mitarbeiter
Wie Ospel festhielt, will die UBS die Beschäftigten von PaineWebber bei der Stange halten. Aus diesem Grund werde sie Schlüsselmitarbeitern im Rahmen eines Bonus-Planes in den nächsten drei Jahren 875 Mio. Dollar in Aktien und in bar zukommen lassen.
Die auf November geplante Fusion muss noch von den Aktionären und den zuständigen Wettbewerbsbehörden gutgeheissen werden. Nach Angaben der UBS wird die Übernahme vom Management und vom Verwaltungsrat der PaineWebber unterstützt. Ihre Zustimmung zugesichert hätten auch die Grossaktionäre General Electric und Yasuda Mutual Life, die zusammen auf rund 30 Prozent des PaineWebber-Kapitals kommen.
Das Übernahmeangebot
Die UBS offeriert den PaineWebber-Aktionären 73,50 Dollar pro Aktie. Dabei will sie die Hälfte in bar und die andere Hälfte in UBS-Aktien (0,4954 eigene Papiere für eine PaineWebber-Aktie) bezahlen.
Das Übernahmeangebot von insgesamt 10,8 Mrd. Dollar (17,6 Mrd. Fr.) liegt um 47 Prozent über dem Schlusskurs vom Dienstag (11.07.). Zur Finanzierung will die UBS für 6,2 Mrd. Dollar 42,3 Mio. neue Aktien und für 1,5 Mrd. Dollar Vorzugsaktien ausgeben.
UBS-Aktie nach Handelsbeginn im Aufwind
Die Aktien des Finanzkonzerns UBS haben einen Tag nach Bekanntgabe der Übernahme der New Yorker Finanzgruppe PaineWebber Aufwind verspürt. Eine Stunde nach Handelsgewinn lagen die UBS-Papiere am Donnerstagmorgen an der Schweizer Börse verglichen mit dem Schlusskurs vom Mittwoch knapp 2,5 Prozent im Plus. Eine Aktie kostete 229,50 Franken, am (gestrigen) Mittwoch waren sie mit 224 Franken aus dem Handel gegangen.
Die Schweizer Börse SWX nimmt den Kurs der UBS-Aktien unter die Lupe. Die Abklärungen stehen im Zusammenhnag mit der Übernahme der US-Finanzgruppe PaineWebber durch die UBS, wie Börsensprecher Leo Hug auf Anfrage sagte. Unter anderem wird abgeklärt, ob im Vorfeld des Deals Insidergeschäfte getätigt wurden. Die Untersuchung wird laut Hug bei grossen Fusionsankündigungen routinemässig aufgenommen. Werden Unregelmässigkeiten festgestellt, wird die Untersuchung einem zuständigen Bezirksanwalt übertragen.
swissinfo und Agenturen
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