Forschungsteam hat Murgänge erstmals lückenlos vermessen
Forschende haben erstmals einen Murgang von Anfang bis Ende verfolgt. Die am Illgraben im Wallis gewonnenen Daten liefern neue Erkenntnisse darüber, wie sich gefährliche, meterhohe Wellen im Inneren des Schlamm- und Geröllstroms entwickeln.
(Keystone-SDA) Dies teilte die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) am Donnerstag mit.
Ein Murgang ist ein schnell talwärts fliessender Strom aus einem Schlamm-Geröll-Gemisch. Er entsteht in steilem, alpinem Gelände und wälzt sich mit enormer Wucht meist durch bestehende Bachbette ins Tal. Dabei können meterhohe Wellen entstehen, die sich schneller als der Rest talwärts bewegen.
Ein besseres Verständnis ihrer genauen Dynamik ist laut der WSL entscheidend, um Schutzmassnahmen für gefährdete Gebiete präziser planen zu können. Daten über Murgänge werden laut der WSL üblicherweise nur punktuell erhoben, weil Messungen aufwendig und teuer sind. Um die Wellenentwicklung besser zu verstehen, brauchten die Forschenden aber Messungen entlang eines ganzen Murganges.
Mehrere Murgänge pro Jahr am Illgraben
Der Illgraben bot den Forschenden die Gelegenheit dafür. Denn dort gehen mehrmals pro Jahr Murgänge nieder – so häufig wie nur an wenigen Orten in Europa. Dies sei ein Glücksfall für die Forschung, hiess es von der WSL.
Die Forschenden installierten also entlang des Bachbetts sogenannte Geofone. Das sind kleine Messgeräte, die Bodenerschütterungen aufzeichnen. Da unterschiedlich grosse Wellen und Gesteinsblöcke verschieden starke Erschütterungen verursachen, konnte das Team anhand der Daten den gesamten Murgang in Zeit und Raum rekonstruieren.
Die im Fachblatt «Engineering Geology» veröffentlichten Daten zeigen, dass die Wellen klein beginnen und sich auf ihrem Weg ins Tal immer grösser auftürmen. Zudem stellten die Forschenden fest, dass auch der Entstehungsort der Wellen nicht stationär ist, sondern sich ebenfalls talwärts bewegt.
Die Messungen zeigten auch, dass die Wellen nicht kleiner werden, wenn sie eine Wildbachsperre passieren. Diese Bauten dienen nicht dazu, die Fluten abzuschwächen, sondern primär dazu, die schlammigen Massen in eine bestimmte Richtung zu lenken und das Bachbett zu stabilisieren.