Forum für Zweisprachigkeit ist besorgt über Bieler Medienlandschaft
Das Forum für Zweisprachigkeit ist besorgt über die jüngsten Veränderungen in der Bieler Medienlandschaft. Der Schwerpunkt der französischsprachigen Medien werde zunehmend aus Biel verlagert und die Gefahr einer Entkopplung zwischen dem französisch- und dem deutschsprachigen Medienraum nehme zu.
(Keystone-SDA) «Es gibt Grund zur Sorge, denn die Lage hat sich in den letzten fünf Jahren grundlegend verändert», sagt Virginie Borel, Leiterin des Bieler Forums für Zweisprachigkeit, auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Sie befürchtet, dass die Entwicklung der Medienlandschaft nicht nur die französischsprachigen Medien schwächt, sondern auch die regionale Zweisprachigkeit.
Die erwähnte Veränderung bezieht sich insbesondere darauf, dass Akteure aus dem Jura und aus Neuenburg vermehrt auf dem Markt Fuss gefasst haben: Im Jahr 2025 verkaufte die Bieler Gassmann-Gruppe ihre Beteiligung am «Journal du Jura» an die Jura Media SA.
Auch die Beteiligung am Radio Jura bernois (RJB) gab Gassmann an das jurassische Medienunternehmen ab. Zuvor hatte das französischsprachige Programm des Bieler Regionalradios Canal 3 mit dem RJB fusioniert.
Eine grosse Veränderung steht zudem noch bevor: Der regionale Fernsehsender Canal B, der sich im Besitz der Neuenburger Produktionsfirma Mystik SA befindet, wird ab dem 1. Juli in der Region Biel, im Seeland und im Berner Jura senden. Er bietet zwei Kanäle an, einen auf Französisch und einen auf Deutsch.
Der bestehende Regionalsender Telebielingue hingegen, der seine Konzession verloren hat, sendet derzeit ein zweisprachiges Programm. Der Sender will den Sendebetrieb fortsetzen, allerdings in einem anderen Format mit weniger Personal – ein Projekt namens Telebielingue 2.0.
«Die DNA dieser Region»
Für das Forum für Zweisprachigkeit lassen sich diese Verlagerungen durch wirtschaftliche Zwänge erklären. Gleichzeitig würden sie aber «wichtige Fragen hinsichtlich der lokalen Verankerung der Medien, der Qualität der regionalen demokratischen Debatte und des sprachlichen Gleichgewichts» aufwerfen.
«Damit gibt es keinen Medieninhaber mehr, der die DNA dieser Region kennt», sagt Virginie Borel. Sie bedauere diese «Entfremdung» von Biel, dem Zentrum des Seelands und der Region Grand Chasseral. Darüber hinaus sieht das Forum die gelebte Zweisprachigkeit auf dem Spiel. «Wir sollten alarmiert sein.»
Das Forum für Zweisprachigkeit fordert entsprechend, «eine starke Verankerung der regionalen Medien in Biel zu bewahren und ein qualitativ hochwertiges französischsprachiges Angebot vor Ort zu gewährleisten». Zudem soll die Zusammenarbeit zwischen Medien beider Sprachen gefördert werden.
Eine zentrale Rolle spielten dabei auch die Öffentlichkeit und die politischen Vertretungen, ebenso wie die für Zweisprachigkeit und regionalen Zusammenhalt zuständigen Stellen. Nach Ansicht des Forums kommt aber auch den Wirtschaftsakteuren eine entscheidende Rolle zu.
Sorge des CAF
Diese Einschätzung zur Lage der französischsprachigen Medien teilt auch der Conseil des affaires francophones des Verwaltungsbezirks Biel (CAF). In seinem Tätigkeitsbericht 2025 vertritt er die Ansicht, dass der besagte Verkauf eine beispiellose Entfremdung zwischen dem «Bieler Tagblatt» und dem «Journal du Jura» bedeute; den beiden Tageszeitungen, die auf Französisch und Deutsch über das Geschehen in der Region Biel berichten.
Die CAF plädiert deshalb für den Erhalt einer fest in der Region verankerten französischsprachigen Presse. Dies erachtet er als grundlegend für die Information und Repräsentation der französischsprachigen Einwohnerinnen und Einwohner von Biel und der Region.