Frasers Group verfehlt Übernahme von Hugo Boss knapp
Der britische Grossaktionär Frasers Group hat seinen Anteil an Hugo Boss zwar weiter aufgestockt, aber die vollständige Übernahme des deutschen Bekleidungsherstellers knapp verfehlt. Frasers hat seine Beteiligung an dem Modekonzern auf 47,9 Prozent ausgebaut.
(Keystone-SDA) Dies teilten die Briten am Dienstag mit. Sie hatten bereits seit Mitte Juni versuchten, das Ruder bei den Schwaben zu übernehmen. Im Rahmen eines freiwilligen öffentlichen Angebots bewertete Frasers das Unternehmen mit rund 2,7 Milliarden Euro.
Der Bekleidungshersteller aus Baden-Württemberg hielt den gebotenen Preis von 38 Euro pro Aktie für zu niedrig und empfahl seinen Aktionären, das Angebot abzulehnen. Die Offerte der Briten lief bis zum 13. August.
Hugo Boss-Vorstandschef Daniel Grieder sagte nun, man schätze das Vertrauen und die Unterstützung, die die Aktionäre dem Unternehmen während der gesamten Angebotsphase entgegengebracht hätten. Er begrüsse die Unterstützung der Frasers Group für die langfristige strategische Ausrichtung. Das Modeunternehmen werde am eingeschlagenen Kurs festhalten.
Die EU-Kommission hatte der Übernahme im Vorfeld zugestimmt. Aufsichtsratschef Stephan Sturm sagte, man begrüsse das anhaltende, langfristige Engagement der Frasers Group für Hugo Boss und setze auch weiterhin auf eine konstruktive Beziehung zu ihr als grösster Einzelaktionär.
Frasers in Deutschland schon bei Puma aktiv
Frasers ist ein Einzelhandelskonglomerat, hinter dem der Unternehmer Mike Ashley steckt. Der Gruppe gehört der Sportfachhändler Sports Direct. Darüber hinaus hält sie zahlreiche Beteiligungen – unter anderem am Onlineshop Asos. Ausserdem gab sie im Frühjahr den Einstieg bei Puma bekannt.
Dem schwäbischen Bekleidungshersteller Hugo Boss hatte im zweiten Quartal die maue Konsumstimmung insbesondere in Europa sowie der laufende Konzernumbau zugesetzt. Der Umsatz ging im Jahresvergleich insgesamt um 10 Prozent auf 905 Millionen Euro zurück. Vor allem in den Kernmärkten wie Deutschland, Grossbritannien und Frankreich verzeichnete Hugo Boss eine geringere Nachfrage.
Zudem machten sich Schliessungen im eigenen Detailhandel sowie eine geringere Fläche im Grosshandel bemerkbar. Der Betriebsgewinn (EBIT) sank um 28 Prozent auf 59 Millionen Euro. Das Konzernergebnis fiel um 32 Prozent auf 34 Millionen Euro.
Der Schweizer Konzernchef Grieder ist seit rund fünf Jahren im Amt und hat das Unternehmen durch eine radikale Neuausrichtung zur Lifestyle-Marke umgebaut. Er fokussierte sich auf Digitalisierung, starkes Marketing sowie eine verjüngte Zielgruppe. Der Konzern hat weltweit 20’000 Beschäftigte – davon mehr als 4400 in Deutschland.