Die Woche in der Schweiz
Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland
Der Sommer in der Schweiz geht weiter – doch das aktuelle Geschehen macht deswegen keine Pause.
Die letzten Tage waren vom Bekanntwerden eines Missbrauchsfalls geprägt, der das Land erschüttert. Zudem gab die beunruhigende Zahl von Ertrinkungsfällen in Seen und Flüssen zu reden.
Neben diesen schweren Nachrichten gibt es aber auch Leichteres zu berichten: So sorgten etwa eine Uhr und eine Kappe für Aufsehen, die weit über ihre eigentliche Funktion hinausgingen.
Gute Lektüre,
Es ist einer der schockierendsten Kriminalfälle der jüngeren Schweizer Geschichte: Ein ehemaliger Aargauer Grossrat soll über Jahre hinweg zwei Lebenspartnerinnen und eine Minderjährige betäubt und vergewaltigt haben.
Diese Woche forderte die Staatsanwaltschaft eine lebenslängliche Freiheitsstrafe für den 57-Jährigen. Der ehemalige Politiker ist unter anderem wegen mehrfach versuchten Mordes, mehrfacher qualifizierter Vergewaltigung, mehrfacher qualifizierter sexueller Nötigung, Schändung und mehrfacher sexueller Handlung mit Kindern angeklagt. Die Ermittler werfen ihm vor, seinen Opfern Sedierungsmittel verabreicht zu haben, um sie zu vergewaltigen.
Die drei Opfer wohnten zu unterschiedlichen Zeitpunkten mit dem Angeklagten unter dem gleichen Dach. Laut Staatsanwaltschaft wurde die Ex-Frau des Angeklagten rund 140 Mal betäubt und vergewaltigt. Kurz nach der Trennung von dieser lernte der Angeklagte im Jahr 2021 in einem Spanienurlaub seine nächsten Opfer kennen: eine alleinerziehende Mutter aus Polen sowie deren damals 14-jährige Tochter, die im Sommer 2022 zum Mann in die Schweiz zogen.
Die Ermittler haben Hunderte Stunden Videomaterial sichergestellt, die ein zentrales Element der Anklage sein dürften. Der Beschuldigte, seit 2023 in Untersuchungshaft, bestreitet einen Grossteil der Vorwürfe.
Nicht nur das Ausmass der Vorwürfe sorgt für Aufsehen. So sorgte die Wohngemeinde des Angeklagten mit ihrem unsensiblen Umgang mit den Opfern für Schlagzeilen und Kritik. Gemäss der Berichterstattung des Tages-Anzeigers setzte sie den Schwerpunkt zunächst nicht auf die Opferhilfe – sondern auf die Migrationsfrage. Die Anwältin der Opfer sagt, diese hätten das Vertrauen in die Institutionen verloren, die sie eigentlich schützen sollten.
Der Fall ist nicht der einzige, der Gewalt gegen Frauen in der Schweiz in den Fokus der Öffentlichkeit rückt. Diese Woche wurde bekannt, dass sich ein Neuenburger Grossrat vor Gericht wegen Vergewaltigungs- und Nötigungsvorwürfen verantworten muss. Der Politiker bestreitet die Vorwürfe. Im Tessin steht der Regierungspräsident unter Druck, nachdem ihm zugeschriebene Äusserungen veröffentlicht wurden, die zu Gewalt gegen eine Frau aufrufen.
Die Hitze treibt die Menschen weiterhin an die Gewässer. Laut der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft sind innerhalb von nur einem Monat mindestens fünfzehn Personen ertrunken.
Diese Zahl übersteigt bereits die des Vorjahreszeitraums. Damit ist dieser Frühsommer einer der tödlichsten der letzten Jahre. Fachleute erklären diesen Anstieg mit der stärkeren Nutzung von Seen und Flüssen, aber auch mit einer Tendenz zur Selbstüberschätzung. Junge Erwachsene und ältere Menschen gehören zu den am stärksten gefährdeten Gruppen. Im Gegensatz zu Schwimmbädern bergen natürliche Gewässer viele Gefahren wie Strömungen, unter Wasser liegende Hindernisse oder plötzliche Temperaturschwankungen.
Die Einsätze der Rettungskräfte häufen sich daher im ganzen Land. Mehrere tödliche Unfälle wurden insbesondere in der Aare verzeichnet, einem der beliebtesten Flüsse im Sommer. Die Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft erinnert daran, dass die meisten Dramen an vertrauten Orten geschehen, wo ein Gefühl der Sicherheit manchmal zu nachlassender Wachsamkeit führt.
Die Schweiz ist kein Einzelfall. Die Behörden mehrerer europäischer Länder stellen im Zuge der Hitzewellen einen Anstieg der Ertrinkungsfälle fest.
Donald Trump ist wohl nicht der Markenbotschafter, von dem Schweizer Unternehmen träumen. Dennoch erlebten eine Uhr und eine Kappe, die mit dem ehemaligen US-Präsidenten in Verbindung gebracht werden, in den letzten Tagen einen unerwarteten Erfolg. Vor dem Hintergrund der Handelsspannungen zwischen Bern und Washington wurden die beiden Objekte zu regelrechten Verkaufsschlagern.
Der erste stammt von Swatch. Zur Feier des 57. Jahrestags der ersten Mondlandung lancierte das Bieler Unternehmen eine goldene MoonSwatch. Produziert wurden nur 1969 Exemplare, eine Anspielung auf das Jahr der Apollo-11-Mission. Die Anspielung zieht sich durch: Das Gold wird zum Preis vom Jahr 1969 verrechnet, und Kaufinteressierte müssen ein Formular ausfüllen, das dem amerikanischen ESTA-Formular nachempfunden ist, um die Uhr erwerben zu dürfen.
Einige Tage zuvor hatte Bundespräsident Guy Parmelin bei einem Besuch in den USA mit seiner roten Kappe «Switzerland Great Since 1291» für Aufsehen gesorgt. Im Kontext des Zollstreits mit den USA sahen viele darin eine schweizerische Antwort auf die berühmten Trump-Kappen. Auch hier stellte sich der Erfolg sofort ein.
Das wird die Handelsspannungen zwischen Bern und Washington jedoch nicht aus der Welt schaffen. Die USA kündigten am Donnerstag eine neue Runde von Zöllen an, die rund 60 Länder betreffen, darunter auch die Schweiz. Die Schweiz wird mit einem Zollsatz von 12,5% belegt, mit der Begründung, dass die von der Schweiz ergriffenen Massnahmen gegen Zwangsarbeit in den Lieferketten unzureichend seien. Eine schlechte Nachricht für die Schweizer Exporteure, für die der amerikanische Markt nach wie vor von zentraler Bedeutung ist.
Auf den ersten Blick handelt es sich nur um einen lokalen Streit. Doch in Lancy im Kanton Genf hat die Entscheidung, die Kita-Tarife stark zu erhöhen, eine Debatte neu entfacht, die die ganze Schweiz betrifft.
Manche Familien müssen bald bis zu 3625 Franken pro Monat und Kind bezahlen, was in einigen Fällen über 27’000 Franken zusätzlich pro Jahr ausmacht. Die Gemeinde verteidigt die Massnahme als einen Schritt zu mehr Gerechtigkeit. Bisher zahlten alle Familien über einem bestimmten Einkommen den gleichen Betrag. Neu sollen Haushalte mit einem Einkommen von bis zu 260’000 Franken pro Jahr stärker zur Finanzierung neuer Kitaplätze beitragen, die in der Stadt mit stark wachsender Bevölkerung notwendig geworden sind.
Genau diese Logik ist umstritten. Für die Behörden ist es normal, dass wohlhabendere Familien mehr bezahlen. Die Gegner wenden ein, dass diese bereits durch ihre Steuern mehr beitragen, und kritisieren eine Art «doppelten Beitrag». Die Debatte, von Le Temps als «Abzocke oder bescheidener Beitrag zur Gesamtleistung?» zusammengefasst, hat weit über Genf hinaus zahlreiche Reaktionen ausgelöst.
Über Lancy hinaus beleuchtet die Affäre mehrere Herausforderungen, mit denen die Schweiz konfrontiert ist: Mangel an Kitaplätzen, hohe Kosten für die Kinderbetreuung und eine tiefe Geburtenrate. In einem der reichsten Länder der Welt spaltet die Frage, wer dafür bezahlen soll, damit Eltern arbeiten können, weiterhin die Gemüter.
Die kommende Woche
Die Sommerruhe hat die Schweizer Politik weiterhin im Griff. Eine leichte Belebung wird jedoch am Freitag und Samstag anlässlich des Nationalfeiertags erwartet. Wie jedes Jahr werden mehrere Bundesrätinnen und Bundesräte durch das Land reisen, um ihre traditionellen 1.-August-Reden vor der Bevölkerung zu halten.
In der Wirtschaft geben die nächsten Tage Aufschluss über die Schweizer Konjunktur. Mehrere Schwergewichte der Schweizer Wirtschaft, darunter UBS, Glencore, Sika und Sulzer, werden ihre Halbjahresergebnisse präsentieren.
Der Sommerkalender wird auch von mehreren Grossveranstaltungen geprägt. In Bern dürfte die Bern Pride am Samstag Tausende von Menschen auf die Strassen locken, während Nationalfeiern und Volksfeste das Land am ersten Augustwochenende beleben werden.
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