Heute in der Schweiz
Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland
Er galt als einer der wichtigsten Intellektuellen der Schweiz und bezeichnete sich auch selbst als Revolutionär: Jean Ziegler ist heute im Alter von 92 Jahren in Genf gestorben.
Die Schweizer Medien blicken in ihren Nachrufen auf Zieglers Karriere als Politiker, Soziologe und UNO-Sonderberichterstatter zurück, aber auch auf prägende Begegnungen und Gespräche mit dem Alt Nationalrat.
Gute Lektüre
Alt Nationalrat, Soziologe und UNO-Sonderberichterstatter: Jean Ziegler ist heute im Alter von 92 Jahren an seiner Parkinson-Erkrankung verstorben.
«Engagiert, angriffig und unermüdlich im Kampf für eine bessere Welt», beginnt SRF seinen Nachruf auf den ehemaligen SP-Nationalrat. «Ein Revolutionär im Massanzug», titelt die NZZ. «Es gab keine kurzweiligeren Gespräche als jene mit Jean Ziegler», schreibt der Tages-Anzeiger.
Geboren 1934 als Hans Ziegler in ein bürgerliches Milieu in Thun, freundet sich Ziegler während seines Studiums in Paris mit Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir an. Es folgte der Bruch mit seinem bisherigen Leben – und Ziegler nannte sich fortan französisch Jean.
Mit einem kurzen Unterbruch politisierte Ziegler 30 Jahre lang für die SP im Nationalrat, schrieb Bücher – «eigentliche Kampfschriften», wie SRF schreibt –, die sich als internationale Bestseller verkauften. 2000 wurde Ziegler UNO-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, reiste um die Welt, wurde aber auch für seine Nähe zu Diktatoren wie Muammar Gaddafi oder Fidel Castro kritisiert.
Selbst im hohen Alter blieb Ziegler aktiv: Er hielt Vorträge, schrieb Bücher und trat regelmässig in den Medien auf. «Wenn man das Glück hat, Schweizer zu sein, weiss zu sein, Intelligenz und Ausbildung zu haben, dann muss man doch kämpfen, dass die kannibalische Weltordnung zerstört wird und dass jedermann wenigstens materiell auf dieser Welt leben kann», sagte er 2011 in der SRF-Sendung «Schawinski».
Ein wichtiger Schritt wurde heute früh in der Debatte rund um die Finanzierung der 13. AHV-Rente gemacht. Die Einigungskonferenz des Parlaments beantragt eine Mischfinanzierung aus Lohnabgaben und Mehrwertsteuern.
Die Einigungskonferenz folgt damit dem Konzept der Mitte-links-Mehrheit des Ständerats. Allerdings sollen die Lohnbeiträge nicht wie vom Ständerat bisher beantragt um 0,3 Prozentpunkte, sondern um 0,2 Prozentpunkte erhöht werden. Die Mehrwertsteuer soll um 0,4 Prozentpunkte angehoben werden, wobei Lebensmittel und andere Güter des Grundbedarfs von der Erhöhung ausgenommen würden. Zudem sollen diese Abgaben für die AHV unbefristet erhoben werden.
Als nächstes wird der Ständerat am Donnerstag über den Vorschlag der Einigungskonferenz abstimmen. Danach kommt er nächsten Mittwoch in den Nationalrat, wo es spannend werden könnte, da sich SVP, FDP und Grünliberale stets gegen höhere Lohnbeiträge ausgesprochen haben.
Nehmen beide Kammern den Antrag der Einigungskonferenz an, kommt er am letzten Tag der Sommersession in die Schlussabstimmung.
Haben Sie Ihr Stimmcouvert bereits zurück in die Schweiz geschickt? Die Zahl der bereits eingegangenen Stimmcouverts sagt für den kommenden Abstimmungssonntag eine überdurchschnittliche Stimmbeteiligung voraus.
Die Kommunikationsagentur «digital/organizing» hat die Daten der bereits eingetroffenen Stimmcouverts ausgewertet. «Im Vergleich mit früheren Vorlagen sehen wir, dass die Schlussbeteiligung bei rund 54% liegen könnte», sagt Agenturgründer und Kampagnenexperte Marco Kistler gegenüber dem Tages-Anzeiger. Zwar liegt die Zahl klar über dem langjährigen Schweizer Durchschnitt von rund 45%, doch von einem Rekord ist sie weit entfernt.
So brachte etwa die Durchsetzungsinitiative 2016 rund 63,7% der Stimmbevölkerung an die Urne. Der Allzeitrekord liegt bei 78,2% im Jahr 1992, als die Schweiz über den Beitritt zum Europäischen Wirtschaftsraum EWR abstimmte.
Mit Blick auf die für Sonntag bereits abgegebenen Stimmen ist laut Kistler die frühe erhöhte Mobilisierung auffällig. Die neusten Zahlen aus den untersuchten Gemeinden und Städten würden aber zeigen, dass der Zuwachs der abgegebenen Stimmen stagniere. «Sollte dieser Trend anhalten, wäre das ein Zeichen dafür, dass die Mobilisierung eher gesättigt ist», sagt Kistler.
An dieser Stelle werfen wir noch einen Blick nach Basel-Stadt. Als erster Kanton sind dort die Stimm- und Wahlberechtigten in der Minderheit. 50,3% der Einwohner:innen dürfen nicht an die Urne – dies entweder wegen fehlender Staatsbürgerschaft, weil sie unter 18 Jahre oder Wochenaufenthalter sind oder eine Beistandschaft haben.
Mit durchschnittlich 1,29 Kindern pro Frau belegt die Schweiz Platz 25 unter den geburtenärmsten Ländern weltweit. Eine Langzeitstudie suchte nach Gründen – und zeigt mögliche Folgen der hierzulande tiefen Geburtenrate auf.
Den Grund für den Rückgang an Geburten sieht die Studie in einer Kombination verschiedener Entwicklungen, wie Der Bund schreibt. Zum einen entscheiden sich immer mehr junge Menschen bewusst gegen Kinder. Zum anderen sind jene Frauen, die Kinder kriegen, bei der Geburt des ersten Kindes immer älter – in der Schweiz sind die Frauen mit durchschnittlich 31,3 Jahren bei der Geburt des ersten Kindes älter als in fast allen anderen europäischen Ländern.
Laut dem Zürcher Reproduktionsmediziner Bruno Imthurn zeige die Studie erhebliche Wissenslücken: Die Bevölkerung unterschätze den Einfluss des Alters auf die Fruchtbarkeit. Ein Drittel der Befragten glaube fälschlicherweise, die weibliche Fruchtbarkeit nehme erst ab 40 signifikant ab.
Während AHV oder Atomenergie in der Schweiz rege diskutiert werden, verlaufe die Debatte zur sinkenden Geburtenrate überraschend entspannt, schreibt Der Bund. Dies würde damit zusammenhängen, dass das Land seine niedrige Geburtenrate mit der Zuwanderung kompensiere. Der Geburtenrückgang sei somit aktuell kaum spürbar. Zudem kommt ein Schweizer Phänomen auch hier zum Vorschein: «Fruchtbarkeit wird in der Schweiz, genauso wie Kinder als Ganzes, als Privatsache betrachtet», sagt der Soziologe Marco Giesselmann. Entsprechend sei für viele die Geburtenrate auch kein gesellschaftliches Problem.
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