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Eine Waschmaschine für Mami

Schwerarbeit für den Samichlaus in der Post von Chiasso. Keystone

Tausende von Kindern schreiben jedes Jahr an den Weihnachtsmann oder das Christkind. Fast alle Briefe werden beantwortet. Die Post in Chiasso hilft dabei.

Schon bei der Adressierung zeigen die Kinder Fantasie. «Gesu Bambino, Via delle stelle, Paradiso», «An das Christuskind im Himmel» oder «Babbo Natale am Nordpol». Egal, was auf dem Brief steht, schweizweit landen alle in der zentralen Postfundstelle von Chiasso. Es muss nur erkennbar sein, dass das Schreiben an das Christkind, den Samichlaus oder Père Noël gerichtet ist.

«Rein technisch sind dies unanbringliche Briefe», erklärt René Kyburz, der die Fundstelle in Chiasso leitet. Das heisst: Solche Briefe werden mit dem Vermerk «Empfänger unbekannt» zurück gesandt. Nicht so beim Christkind: Alle Pöstler im Land wissen, dass weihnachtliche Wunschbriefe nach Chiasso weiterzuleiten sind.

Nicht nur Wunschlisten

Natürlich wollen die Kinder Geschenke: Game-Boys und Spielkonsolen sind dieses Jahr sehr gefragt. Doch die Schreiben der Kinder beschränken sich nicht auf Wunschlisten. «Wieviel seid Ihr eigentlich da oben?», will ein achtjähriger Bub wissen. Und: «Können wir uns nicht das ganze Jahr über schreiben?» Ein Kind aus der Romandie bittet das Christkind, dieses Jahr zu seiner Familie besonders gut zu sein, weil das zweijährige Brüderchen an Krebs gestorben ist.

«Es gibt Sachen, die einen im Herz treffen», meint Kyburz. So wünscht sich ein Mädchen eine Waschmaschine für die Mami, damit sie nicht länger mühselig von Hand waschen muss. Andere schicken hingegen Schokolade als Futter für die Rentiere des Samichlaus oder Hustenbonbons, um Erkältungen vorzubeugen.

Nicht nur Kinder

Natürlich sind es vorab Kinder und ganze Schulklassen, die schreiben. Aber nicht nur. Ein Ehepaar bittet den Weihnachtsmann, der 21-jährigen Tochter ein Geschenk zu machen. Eine Firma fragt gar um ein neues Fotokopiergerät an. Und selbst Kritik und Mahnungen treffen ein. «Warum kriege ich zu Weinachten immer nur etwas zu Essen», beschwert sich eine Italienerin, «ich habe schon zwei Mal geschrieben, dass ich richtige Geschenke will».

Andere schütten dem Christkind ihr Herz aus. «Schluss mit der Globalisierung, die alles zerstört», meinen zwei Geschwister.

Es sind allgemeine Betrachtungen. Der Katastrophen-Herbst mit Terror, Krieg und Unglücken hat erstaunlicherweise dieses Jahr praktisch keine Spuren in den Briefen hinterlassen.

Grosser Aufwand

Jedes Schreiben an den Samichlaus – teils mit aufwändigen Zeichnungen ausgeschmückt – wird gelesen. Ein Team von fünf Personen trennt die Post nach Sprachen und gibt sich alle Mühe, unleserliche Adressen herauszufinden, um antworten zu können.

Kein Aufwand wird gescheut: Mittels Telefonverzeichnissen und Rücksprachen bei Postämtern werden selbst rudimentäre Absender wie «Maria aus Burgisstsein» eruiert. Mit Erfolg: Im vergangenen Jahr konnten von den eingesandten 8400 Briefen 7400 beantwortet werden. Dieses Jahr liegt die Rate sogar noch höher.

Mehr als die Hälfte der Briefe stammt aus der französischen Schweiz. Der Anteil aus der deutschen Schweiz liegt bei rund 10 Prozent.

Das Anwortschreiben, wie könnte es anders sein, stammt vom Weihnachtsmann. Zuerst bedankt er sich beim Pöstler, der ihm die Brief in sein Waldhaus bringt. «Da meine Augen nicht mehr so gut sind, liest mir das Christkind immer alle Brief vor, die wir bekommen.» Auch ein kleines Geschenk legen Samichlaus und das Christkind bei, mit dem Hinweis: «Vielleicht wird ja einer deiner Weihnachtswünsche erfüllt.»

Die Kinder dürfen dann weiter rätseln, wo die beiden eigentlich wohnen. Denn der Antwortbrief mit der Samichlaus Marke von Pro Juventute trägt den Sonderstempel des Postamts «Bern Bethlehem».

Gerhard Lob, Chiasso

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