Glauben verliert an Boden
In der Schweiz bezeichnen sich immer mehr Menschen als konfessionslos. Ihr Anteil hat sich zwischen 1970 und 2000 verzehnfacht.
Die beiden grossen Landeskirchen verloren zwischen 1990 und 2000 über 360’000 Mitglieder.
«Konfessionslosigkeit als Lebensstil» sei besonders verbreitet bei den 30- bis 50-Jährigen, gibt das Bundesamt für Statistik (BFS) bekannt. «Diese Altersgruppe steht im Zenit ihrer wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aktivität und hat wahrscheinlich weniger Zeit, sich Fragen über Sinn und Bedeutung des Lebens zu stellen», sagt BFS-Vizedirektor Werner Haug gegenüber swissinfo.
«Diese Leute orientieren sich heute weniger an traditionellen, religiösen Werten.» In städtischen Gebieten sei der Anteil der Konfessionslosen fast doppelt so hoch wie in ländlichen Regionen. Ebenso sei ihre Zahl in der Romandie deutlich höher als in der deutsch- und italienischsprachigen Schweiz. Haug spricht von einem «Erosionsprozess des christlichen Glaubens», der sich durch die Generationen hindurch abgespielt habe.
Der Anteil der Konfessionslosen stieg zwischen 1970 und 2000 von 1,1 auf 11%.
Landeskirchen verlieren an Bedeutung
In der Volkszählung 2000 gaben knapp 42% der Bevölkerung an, römisch-katholisch zu sein. 33% waren evangelisch-reformiert. Die beiden grossen Landeskirchen verloren zwischen 1990 und 2000 über 360’000 Mitglieder, wie das BSF weiter mitteilt.
Während die Angehörigen anderer Religionsgruppen und der Freikirchen eine junge Altersstruktur aufweisen, nimmt bei den Landeskirchen der Anteil der älteren Mitglieder zu.
7% der Bevölkerung gaben bei der Volkszählung an, einer anderen Kirche oder Religionsgemeinschaft anzugehören. 1970 waren es erst 0,7% gewesen. Von diesen 7%, zu denen auch Hindus und Buddhisten zählen, stellen die Angehörigen der islamischen Gemeinschaft mit 4,3% (311’000) die grösste Gruppe dar.
Mulitkultureller Einfluss
«Auch gibt es immer mehr Menschen, die sich ihre eigene Religion zusammenstellen – d.h. Elemente von verschiedenen Konfessionen aufnehmen und mit asiatischen Religionselementen verbinden», fügt Haug hinzu.
Ein Einfluss der multikulturellen Schweiz sei zweifellos spürbar. Die Migrationen hätten dazu geführt, dass in den letzten zehn Jahren der Anteil der Anhänger neuer Religionsgemeinschaften, insbesondere des Islams und der christlich orthodoxen Kirchen, gewachsen sei.
«Früher kamen viele Menschen hauptsächlich aus traditionell katholischen Regionen in die Schweiz. Heute stammt die Mehrheit aus dem Balkan und anderen Regionen, die stärker dem muslimischen Glauben verpflichtet sind.»
swissinfo und Agenturen
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