Kirchlicher Kinderschänder
Der katholische Pfarrer von Walenstadt (St. Gallen) wird sexueller Handlungen mit Kindern bezichtigt. Abklärungen sind im Gang, der Pfarrer trat von seinem Amt zurück.
Ein entsprechender Hirtenbrief von Bischof Ivo Fürer wurde am Wochenende in der Pfarrei Walenstadt während der Gottesdienste verlesen, wie das Bistum St. Gallen am Sonntag mitteilte. Fürer habe die Demission des Pfarrers und Dekans mit sofortiger Wirkung angenommen.
In seinem Brief spreche Bischof Fürer den Opfern sein tiefes Mitgefühl aus, heisst es im Communiqué. In Geist und Gebet fühle er sich mit den Betroffenen verbunden, aber auch mit allen Menschen, die wegen des Versagens kirchlicher Mitarbeiter zutiefst enttäusch und verletzt seien.
Task Force
Der Fall soll jetzt personalpolitische Konsequenzen haben. Die Schweizer Bischofskonferenz hat beschlossen, noch dieses Jahr eine Task Force zu gründen, wie Marc Aellen, Sprecher der Konferenz, bestätigte. Diese Task Force werde mit Juristen und Psychologen besetzt sein und die Bischöfe schon vorher für die Prävention beraten, erklärte der Sprecher.
Wann die Task Force eingesetzt wird, steht noch nicht fest. Auch ihre Mitglieder hat die Schweizer Bischofskonferenz noch nicht bestimmt.
Vorfälle in Polen und den USA
In den vergangenen Monaten waren wiederholt ähnliche Vorwürfe gegen katholische Priester bekannt geworden. Ende Februar war der katholische Erzbischof von Poznan (Polen) beschuldigt worden, Priester und Laien seiner Diözese sexuell missbraucht zu haben.
Auch in den USA sind seit Beginn des Jahres mehrere Skandale um sexuelle Belästigung durch katholische Priester bekannt geworden. In Boston wurde ein 66-jähriger Priester zu zehn Jahren Haft verurteilt.
Mit Anti-Mafia-Gesetz gegen Priester
Nun soll in den USA mit Hilfe eines besonders scharfen Gesetzes gegen die katholischen Kirchenmänner vorgegangen werden: Eine entsprechende Klage wurde letzte Woche eingereicht. Sie fusst auf einem Gesetz, das eigentlich erlassen worden war, um die Mafia der Justiz zuzuführen, dem so genannten «Racketeering Influenced and Corrupt Organizations».
Die Bischöfe hätten sich wie Mafiosi verhalten, erklärte ein Anwalt zur Begründung des Vorstosse. Frühere Versuche, Klagen gegen Kirchenmitglieder aufgrund der RICO-Gesetze anzuklagen, waren bisher gescheitert. Dieses Mal könnte der Wind allerdings drehen, angesicht der Häufung von Berichten über sexuelle Belästigungen und Missbrauch.
Von Johannes Paul II. verurteilt
Papst Johannes Paul II. nahm letzte Woche erstmals zu den Skandalen um sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche Stellung. Der Pontifex verurteilte dabei Priester, die «ihr Gelübde gebrochen haben».
Das Thema wird in dem vorösterliche Hirtenbrief aber nur am Rande behandelt. Hauptsächlich geht es in dem weniger als eine Seite umfassenden Dokument um das Sakrament der Beichte.
swissinfo und Agenturen
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