Presseschau vom 24.12.2002
Zu Weihnachten haben sich die Schweizer Zeitungen auf die Suche nach Frieden und Besinnlichkeit gemacht.
Alltägliches, Wundersames – und Unerwartetes.
Auf den Fotos dominieren häufig Kerzen. Und dort, wo sonst Journalisten den Lauf der Welt kommentieren, wird über Grundlegendes nachgedacht. So in der BASLER ZEITUNG:
«Im Zentrum des modernen ‚Weihnachtschristentums‘ steht das stimmungsvolle Familienfest. Doch die tiefere Symbolik der Geschichte von der Geburt des Zimmermannssohns ist unverständlich ohne den Blick auf die Friedensbotschaft, um derentwillen er später gekreuzigt wurde.»
Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG betont die Radikalität der Menschwerdung:
«Mit dem Erlöser tritt einer auf, der nun tatsächlich Ernst macht mit dem Aufruf zur Umkehr und Einkehr. Die Formel jenes ‚mitten unter uns‘, die auch die eschatologischen Quellen des Alten Testaments niemals mit solcher Deutlichkeit gewagt und erst für das Ende der Zeiten zögerlich beansprucht hatten, findet hier ihre umweglose Verkörperung.»
Die Wunder, die Jesus tue, würden direkt in die lebensweltliche Realität eingreifen. Und die Gleichnisse, die Jesus lehre, «offenbaren nicht nur die Sphäre der himmlischen Transzendenz im Spiegel von Gottes Güte, sondern sie bereiten vor auf eine Ethik des praktischen Lebens».
Andere Alltagsgeschichten
Was ist der Sinn des Lebens? – Verschiedene Zeitungen gehen dieser Frage nach. Und präsentieren für einmal andere Geschichten: leise, ruhige Alltagsgeschichten.
Der Berner BUND findet im Kloster Magdenau eine «Zufluchtsstätte für Gestresste». Der BLICK porträtiert eine junge Frau, die nach langer Arbeitslosigkeit wieder eine Stelle gefunden hat. Der TAGES-ANZEIGER sinniert über Bedeutung von Weihnachtsmärchen, die BERNER ZEITUNG lässt Kinder zu Wort kommen, und das ST. GALLER TAGBLATT macht sich auf die Suche nach der «Typologie der Schenker».
Weihnachtssingen, spezielle Gottesdienste und immer wieder: der Blick nach Bethlehem. Am Geburtsort Jesu werde Weihnachten «in Furcht und Traurigkeit» gefeiert, schreibt die Genfer Zeitung LE TEMPS.
Die NEUE LUZERNER ZEITUNG berichtet vom Caritas-Baby-Hospital in Bethlehem, von riesigen Problemen und kleinen Wundern: «Ausnahmezustand – alle Tage wieder.»
Andere Fragen der Wissenschaft
Das Wundersame hat es LE TEMPS angetan. Das Blatt konstatiert:
«Apparitions, guérisons, extases: le surnaturel à l’épreuve de la raison – Erscheinungen, Heilungen, Verzückung: das Übernatürliche auf dem Prüfstand der Vernunft.»
Nachdem die Wissenschaften die Wunder lange nicht beachtet hätten, bemühten sie sich nun, diese ohne Vorurteile zu analysieren.
Die AARGAUER ZEITUNG greift nach den Sternen. Die Wissenschaft habe eine klare Antwort auf die Frage, ob die Sterne am Himmel wirklich ewig lebten:
«In vier bis fünf Milliarden Jahren erleidet jedes irdische Leben den Hitzetod.»
Mit kürzeren Zeiträumen als der Lebensspanne der Sonne beschäftigt sich der TAGES-ANZEIGER. Allerdings geht es auch hier um Existenzielles. «Beim Rüsselkäfer gibts nur Frauen», so der TAGI. Überschrieben ist die Seite mit:
«Das Fest der Liebe. Was Sie schon immer über jungfräuliche Empfängnis wissen wollten, aber nie zu fragen wagten.»
Absolut falsches Wetter
An Weihnachten muss es nicht nur ernst und besinnlich zu und her gehen, das zeigt auch ein Titel im Boulevardblatt BLICK.
«An Weihnachten muss niemand frieren», so die Zeitung. Es folgt dann aber nicht ein wärmender Artikel über Nachbarschaftshilfe und Nächstenliebe, sondern über die schweizweit herrschenden frühlingshaften Temperaturen.
swissinfo, Eva Herrmann
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