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Fussball, Kameras und Topmodels

Rosa Vitrine zur Illustration des Phänomens "WAGs". swissinfo.ch

In der Ausstellung "Hors Jeu" in der Dépendance des Ethnografie-Museums Genf (MEG) ist auch die Glitzerwelt des Fussballs ein Thema: Wenn Fussballer zu "People" werden, eskortiert von Models und anderen Starlets...

Die Fussballstars von heute kennen nicht nur das Scheinwerferlicht der Stadien, sondern liebäugeln sehr gerne auch mit jenem der Werbewelt.

Grosse Marken reissen sich um grosse Stars, deren fussballerisches Talent oder die gewisse Ausstrahlung einen maximalen Profit versprechen. Sportler mit ihren gut gebauten Körpern sind zu regelrechten Ikonen der Unterhaltungsindustrie geworden.

Sie lancieren neue Modetrends und landen auf Seite eins der People- und Fashion-Magazine. Sie sind – mehr oder weniger – willige Akteure in dieser Welt des Geldes, des blossen Scheins und der allgegenwärtigen Kameras. Das Image des Stars wandelt sich zum veritablen Produkt.

Ronaldo erkennt man sofort

«Es gibt Werbung, in der die Fussballer mit der Schönheit der fussballerischen Bewegung werben, aber es gibt auch welche, in der sie nicht mal mehr spielen. Trotzdem weiss man Bescheid – Ronaldo macht Werbung für eine Bank, man erkennt ihn sofort», stellt Christian Delécraz fest, einer der Kuratoren der Ausstellung.

So verlassen also diese Helden ihr vertrautes Terrain und drängen auf die Bühnen der Unterhaltungsindustrie, im Schlepptau all die tollen Frauen, die gewiss nicht hinderlich sind beim Eintritt in die Welt des Showbusiness.

«Die Modernisierung der Stadien und die allgegenwärtige Präsenz der Medien haben zur Aufwertung des Fussballs in der Gesellschaft und zu einer breiten Durchmischung des Publikums beigetragen. Die Stars unter den Fussballern verdienen exorbitante Summen, sie scharen schöne und berühmte Frauen um sich und solche, die es werden wollen, und stellen derart ihre Männlichkeit unter Beweis.» Nachzulesen im Buch «Hors jeu, football et société», das vom MEG herausgegeben wurde.

Die «WAGs»

Models, Schauspielerinnen, Sängerinnen, Teilnehmerinnen von Reality Shows oder einfach Frauen auf der Suche nach Starruhm: das sind die «WAGs». Dieses Akronym, gebildet aus «Wives And Girlfriends», tauchte 2004 erstmals in den britischen Boulevardblättern auf und meinte damals die Frauen der Fussballer der englischen Nationalmannschaft.

Berühmtestes Beispiel für die Heirat zwischen rundem Leder und Showbiz ist das englische Paar David und Victoria Beckham. An der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland wurde jede kleinste Bewegung dieser jungen Frauen in der Presse festgehalten, beinahe ebenso oft wie die Leistungen ihrer Partner. Ungebremster Konsumrausch, abendliche Clubbesuche und der Kleiderstil wurden minutiös wiedergegeben!

«Sehen Sie nur Adriana Karembeu, sie ist weiterhin überall präsent, obschon ihr Ehemann nicht mehr Fussball spielt», stellt Christian Delécraz fest.

Fernsehserien, Reality Show und Reiseführer

Zahlreiche Produkte entstanden rund um diesen neuen Menschentyp: eine Fernsehserie, «Footballers‘ Wives», eine Reality Show, «Wag’s boutique», sogar ein Reiseführer, «The Wag’s Guide to Travel», den man auf der Website des englischen Aussenministeriums konsultieren konnte!

Diese neuen Ikonen der Unterhaltungsindustrie sind keine rein britische Erscheinung. Auch in Italien ist dieses Phänomen sehr präsent. «Velina» oder «Schedina» werden die jungen Mädchen genannt, die davon träumen, Stars des Pantoffelkinos werden, für einen sexy Kalender zu posieren oder sich mit einem Profifussballer zu verloben.

Tod dem Prince Charming auf seinem feurigen Schlachtross! Der Nachfolger ist da. Es ist der Spieler mit den behaarten Waden und dem durchnässten Trikot, oder ausstaffiert mit dem neuesten Modeschrei für seinen Auftritt im Rampenlicht.

swissinfo/MEG
(Übertragung aus dem Französischen: Christine Fuhrer)

Die Austellung «Hors Jeu» ist vom 21. Mai 2008 bis zum 26. April 2009 im Ethnographie-Museum Genf (MEG), in der Dépendence in Conches, Chemin Calandtini 7, Conches, zu sehen.

Für die Realisierung von «Hors Jeu» hat das MEG verschiedene Fachleute vom Internationalen Institut für Sportwissenschaft Neuenburg beigezogen.

Zu den Partnern dieser Ausstellung gehört auch swissinfo. Das aktuelle Fussballgeschehen wird in der Ausstellung auf Bildschirmen anhand unseres Specials «Euro 08» präsentiert.

Zur Ausstellung hat das MEG unter dem Titel «Hors jeu – Football et société» ein Buch unter der Leitung von Raffaele Poli herausgegeben.

Das Vorwort schrieb der Ethnologe Christian Bromberger, und der Katalog enthält ein Interview mit dem Psychologen und ehemaligen Schweizer Internationalen Lucio Bizzini.

136 Seiten, 120 farbige Illustrationen von Éric Lafargue und Johnathan Watts und Zeichnungen von Pierre-Alain Bertola.

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