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Gossau SG feiert Nationalfeiertag ein halbes Jahrhundert zu früh

Keystone-SDA

Gossau SG feiert den Nationalfeiertag bereits seit 50 Jahren einen Tag zu früh. Heute ist die Stadt damit längst nicht mehr alleine.

(Keystone-SDA) Bundesrat Martin Pfister (Mitte) hält dieses Jahr eine Ansprache zum Bundesfeiertag in Rorschach – und zwar bereits am 31. Juli um 19 Uhr. Eingeladen haben ihn die drei Gemeinden Rorschach, Goldach und Rorschacherberg zu ihrer gemeinsamen Bundesfeier. Dass Pfister am Bodenseeufer eigentlich einen Tag zu früh spricht, dürfte ihn kaum stören.

Es ermöglicht ihm, an noch mehr Orten zu reden, als er es ohnehin täte. So wird er am 1. August um 11.30 Uhr auch in Baar ZG erwartet, am Nachmittag in Blenio TI und am Abend in Guarda GR.

Gossaus Gastgemeinden wollten am 1. August selber feiern

In Frankreich wäre es undenkbar, den Nationalfeiertag bereits am 13. statt am 14. Juli zu feiern, gibt Patrik Strässle auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA zu bedenken. Strässle leitet die Stadtkanzlei des sanktgallischen Gossau, das wohl als eine der ersten Gemeinden die Bundesfeier auf den 31. Juli vorzog.

Zum ersten Mal war das laut dem Online-Portal «Gossau 24» im Jahr 1976 der Fall. «Der Grund war, dass wir bis vor zwei, drei Jahren immer eine Gastgemeinde eingeladen haben», sagt Strässle. Es habe sich gezeigt, dass es für den 31. Juli leichter gewesen sei, eine Gemeinde zu finden. Von dieser sei erwartet worden, in Gossau ein 90-minütiges Programm zu bieten. Die Vertreter der Gastgemeinden hätten am 1. August auch noch bei sich zu Hause feiern wollen, weshalb Gossau die Bundesfeier auf den 31. Juli vorgezogen habe.

Mit der Zeit sei es trotz Vorverlegung des Termins zu schwierig geworden, Gastgemeinden zu finden. Als Grund sieht Stadtkanzlei-Leiter Strässle das allgemein schwächer werdende Engagement von Freiwilligen in Vereinen.

Nun hat Gossau dieses Jahr den Kabarettisten und Historiker Benedikt Meyer für den Bundesfeiertag eingeladen, letztes Jahr war es der Kabarettist Michael Elsener gewesen. Den Termin 31. Juli hat Gossau beibehalten. «Wenn sich etwas bewährt hat, bleibt es», sagt Strässle. Bei gutem Wetter werde die Bundesfeier von 400 Leuten besucht.

Feuerwerk zieht gewöhnlich viel Publikum an

Gar von einem «riesigen Erfolg» spricht der Rorschacher Stadtpräsident Robert Raths (FDP): «Wir haben jeweils 2500 bis 3000 Leute.» An der gemeinsamen Bundesfeier Rorschach-Goldach-Rorschacherberg spricht traditionellerweise ein Mitglied des Bundesrats – letztes Jahr war Elisabeth Baume-Schneider (SP) da. Angezogen wird das Publikum auch durch die musikalische Unterhaltung und üblicherweise durch ein Feuerwerk um 22.30 Uhr, welches dieses Jahr aber abgesagt wurde.

Noch um ein Vielfaches grösser sind die Dimensionen in der Stadt Basel. Diese veranstaltet am 31. Juli ein Stadtfest mit Feuerwerk um 23 Uhr, das jeweils 100’000 Leute ans Rheinufer lockt. Wobei die offizielle Bundesfeier am 1. August auf dem Bruderholz folgt.

Viele Gemeinden ziehen die Bundesfeier vor allem deshalb auf den 31. Juli vor, damit die Besucher am folgenden Tag ausschlafen können. Das ist seit 1994 möglich – seither ist der 1. August ein ganztägiger nationaler Feiertag. Zuvor wurde in vielen Kantonen am 1. August voll gearbeitet, in einigen Kantonen war nur der Nachmittag frei.

«Wie es zur Tradition geworden ist, begehen wir das Fest am letzten Julitag», schreibt die Gemeinde St. Margrethen SG auf ihrer Website. «Da darf man durchaus ein Viertelstündlein länger höckeln und einmal mehr anstossen als eigentlich verträglich wäre.»

Auf dem Rütli bleibt alles beim Alten

Ausschlafen am Folgetag ist dieses Jahr auch möglich, wenn die Feier am 1. August allzu lange dauern sollte, denn dieser ist ein Samstag. Auch letztes Jahr, als der 1. August auf einen Freitag fiel, wäre deswegen eine Vorverlegung nicht nötig gewesen. Die Feier deswegen vom 31. Juli auf den 1. August verschieben – das dürfte aber kaum eine Gemeinde machen.

«Nicht einmal so und einmal anders», sagt der Rorschacher Stadtpräsident Raths, «das kann zu Verwirrung führen».

Eine Mehrheit der 2131 Schweizer Gemeinden begeht den Bundesfeiertag wohl weiterhin am 1. August – dies lässt das Reden-Programm der Bundesräte 2026 vermuten. Die sieben Regierungsmitglieder halten insgesamt 16 Bundesfeier-Reden am 1. August und nur sechs am 31. Juli, wie der Bundesratswebsite zu entnehmen ist. Auch auf dem Portal von Schweiz Tourismus werden über dreimal mehr Bundesfeiern am 1. August als am 31. Juli gelistet (46 zu 14).

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