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Wissenschaft

Im Weltraum gehört die kleine Schweiz zu den Grossen

Ein zweifacher Nobelpreisträger und Instrumente an Bord von 50 europäischen, amerikanischen, russischen und chinesischen Missionen: Geht es um den Weltraum, ist die Schweiz überall dabei. Und jetzt wird sie den ersten "Müllwagen" in die Erdumlaufbahn schicken.

Dieser Inhalt wurde am 16. März 2021 - 08:45 publiziert
Skizzomat (Illustration)

Die Ankündigung Anfang Dezember 2020 war ein grosser Erfolg, und das aus gutem Grund: "ClearSpace-1" beinhaltet mindestens vier Weltpremieren. Die Europäische Weltraumorganisation (ESA) kaufte eine "schlüsselfertige" Mission und zahlte fast 100 Millionen Franken an ein Startup-Unternehmen, welches das erste Weltraum-Müllentsorgungs-System bauen und versuchen wird, zum ersten Mal ein unkontrolliert taumelndes Stück Schrott aufzufangen.

Denn es ist höchste Zeit, wieder ein wenig Ordnung in den grossen Mülleimer zu bringen, zu dem die Erdumlaufbahn geworden ist. Der um die Erde herumfliegende Schrott ist für Satelliten wie auch für die Internationale Raumstation ISS höchst gefährlich.

Bereits 1995 hatte eine Entdeckung ausserhalb von wissenschaftlichen Kreisen noch wenig Aufsehen erregt. Doch im Lauf der Jahre begann die Öffentlichkeit zu verstehen, dass das, woran die Science-Fiction sie gewöhnt hatte, nun wissenschaftliche Realität war: Die Galaxie wimmelt nicht nur von Sternen, sondern auch von Planeten.

Und die ersten, die eine dieser Welten identifizierten, die einen anderen Stern als unsere Sonne umkreisen, waren Michel Mayor und Didier Queloz. Und sie sind Schweizer.

24 Jahre später wurden sie für ihre Entdeckung mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet.

Dieser Nobelpreis ist, ungeachtet aller lokalpatriotischen Hurras, völlig gerechtfertigt. Es geht um eine der wichtigsten Entdeckungen des 20. Jahrhunderts in der Astronomie.

Sie hat neue Forschungsfelder eröffnet, um unseren Platz im Universum zu verstehen, und sie hat die Chancen, ausserirdisches Leben zu finden, um ein Millionenfaches erhöht.

Zum 20. Jahrestag der Entdeckung dieses ersten Exoplaneten widmete ich diesem Thema einen Artikel.

Aber die Suche nach Leben ist nicht einfach, wenn man dieses auf Welten sucht, die Hunderttausende von Milliarden von Kilometern entfernt sind. Hier kommt der menschliche Einfallsreichtum ins Spiel. Und auch hier sind Schweizer Forschende präsent.

Vielleicht ist es aber gar nicht nötig, so weit weg zu suchen. Wenn wir nun wissen, dass es unter den kleinen grünen Männchen keine Marsianer oder Venusianerinnen gibt, ist es keineswegs ausgeschlossen, dass elementares und mikroskopisches Leben in unserem Sonnensystem entstanden sein könnte.

Auf dem Mars, oder vielleicht auf einem der Monde des Jupiters oder Saturns? Die Robotersonden, die nach Spuren solchen Lebens suchen, verwenden seit 50 Jahren die gleichen Techniken, aber es bahnt sich eine Revolution an. Und auch dieses Mal sind die Schweizer ganz vorne mit dabei.

Gleichzeitig geht die Erforschung von Exoplaneten weiter. Heute beginnen wir, die Mittel zu haben, um zu verstehen, woraus sie gemacht sind. Dies ist die Mission des Weltraumteleskops CHEOPS, des ersten europäischen Satelliten "Made in Switzerland", der im Dezember 2019 ins All geschossen wurde.

Die Schweiz hatte aber nicht auf "ClearSpace", CHEOPS und nicht auf Mayor und Queloz oder den Astronauten Claude Nicollier warten müssen – den ersten nicht-amerikanischen Missionsspezialisten der NASA –, um ihren Ruf in der Weltraumforschung zu etablieren.

1969 landeten Neill Armstrong und Buzz Aldrin mit einer Schweizer Uhr am Handgelenk auf dem Mond. Und das erste, was sie dort taten, noch bevor sie das sternenbesetzte Banner ausrollten, war, das Sonnensegel der Universität Bern zu installieren, das einzige nicht-amerikanische wissenschaftliche Experiment an Bord von Apollo XI.

Seit den Anfängen der Weltraumforschung gab es kaum eine amerikanische oder europäische Mission, die nicht etwas Schweizer Technologie an Bord hatte. Denn dieses Land weiss, wie man Instrumente herstellt, die sowohl sehr präzise als auch sehr zuverlässig sind – unabdingbare Voraussetzungen, um den Belastungen einer Reise ins All standhalten zu können.

Ob es darum geht, einen Rover zum Mars anzutreiben, Gase zu "schnüffeln", die von einem Kometen austreten, oder hochauflösende Bilder eines Planeten im Sonnensystem aufzunehmen, Schweizer Ingenieure haben die Lösung.

Das vorerst jüngste Beispiel ist STIX. Dieses Röntgenteleskop wird Sonnenausbrüche von einer europäischen Sonde aus untersuchen, die der Sonne näherkommen soll als je zuvor versucht.

Die Schweiz, das Land der Uhrmacherkunst und der Feinmechanik, verfügt auch über ein sehr effizientes Bildungs- und Forschungsförderungs-System. Dies erklärt zum Teil, wie ein kleines Land in den Bergen zu einem grossen Land im Weltall werden konnte.

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