Im Zoo Zürich leben neu besonders begabte Kletterer
Im Zoo Zürich lebt seit Anfang August eine neue Affenart: Bärenstummelaffen. Die geschickten Kletterer bewegen sich geschmeidig durch die Baumkronen. Damit sie nicht an den Ästen hängen bleiben, haben sie lediglich einen Daumenstummel.
(Keystone-SDA) Das Affenpaar sei neu im Menschenaffenhaus eingezogen, teilte der Zoo Zürich am Mittwoch mit. Später soll es in den neuen Lebensraum Ndoki Wald, den künftigen Lebensraum für den Westlichen Fachlandgorilla und weitere bedrohte Tierarten West- und Zentralafrikas, ziehen. Dieser wird auf 29’000 Quadratmetern im unteren Zooteil mit bis zu 25 Meter hohen Bäumen entstehen.
Diese werden die Bärenstummelaffen freuen, denn sie sind besonders geschickte Kletter. Ihr Leben spielt sich fast vollständig in den oberen Baumkronen ab.
Und genau dafür hat die Natur vorgesorgt: Damit sie beim Klettern nicht hängen bleiben, haben sie praktisch keinen Daumen, also lediglich einen Stummel. Sie besitzen aber einen fast einen Meter langen Schwanz, den sie als Steuerhilfe einsetzen.
Haushälterischer Umgang mit Energie
Klettern tun die Bärenstummelaffen allerdings nur einen kleinen Teil des Tages. Etwa zwei Drittel des Tages verbringen sie mit Ruhen, Schlafen oder Sonnenbaden. Denn die Tiere müssen mit ihrer Energie haushalten – wegen der Verdauung.
Ihr Magen funktioniert ähnlich wie der einer Kuh. Die maximal 14 Kilogramm schweren Tiere sind Vegetarier und ernähren sich hauptsächlich von Blättern. Zwar sind die Affen keine Wiederkäuer, aber auch bei ihnen wird die Nahrung vorverdaut. Da Blätter viel Zellulose enthalten, welche Säugetiere selbst kaum verdauen können, übernehmen spezielle Bakterien in vorgelagerten Gärkammern einen Teil der Arbeit.
Bedrohte Art
Auf der Roten Liste der gefährdeten Arten der Weltnaturschutzunion galten Bärenstummelaffen 2008 noch als gefährdet. Im Jahr 2020 wurde ihr Status auf stark gefährdet hochgestuft.
Die Affenart pflanzt sich zudem langsam fort: Ein Weibchen bringt nur etwa alle zwei Jahre ein Jungtier zur Welt. Mit aktuell nur 57 Tieren sei die Reservepopulation dieser Affen vergleichsweise klein, schreibt der Zoo. Das Affenpaar ist Teil des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP).