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Israels Ex-Präsident Katsav der Vergewaltigung schuldig gesprochen

(Keystone-SDA) Tel Aviv – Das Bezirksgericht in Tel Aviv hat den früheren israelischen Präsidenten Mosche Katsav der Vergewaltigung einer früheren Mitarbeiterin schuldig gesprochen. Dem 65-Jährigen drohen damit zwischen vier und 16 Jahre Gefängnis.
Das Gericht sprach Katsav am Donnerstag darüber hinaus wegen sexueller Übergriffe auf zwei weitere Frauen schuldig. Sämtliche Klägerinnen hatten einst für Katsav gearbeitet.
Eine Klägerin, über die nur mit dem Kürzel A. berichtet wurde, hatte dem ehemaligen Staatsoberhaupt vorgeworfen, er habe sie 1998 in seinem Büro in Tel Aviv und zwei Monate später erneut in einem Hotel in Jerusalem vergewaltigt. Die beiden anderen Frauen hatten Katsav vorgeworfen, er habe sie unter anderem gegen ihren Willen umarmt und seinen Körper an sie gedrückt.
Katsav hatte stets alle Vorwürfe bestritten. Er bezeichnete sich selbst als Opfer einer Erpressung und nannte das Vorgehen gegen ihn eine Hexenjagd.
Aussagen «mit Lügen gespickt»
Der Richter kam zum Schluss, dass die Klägerin, die Katsav Vergewaltigung in zwei Fällen vorwarf, die Wahrheit gesagt habe. Die Aussagen des Angeklagten hingegen seien mit Lügen gespickt, hiess es in der Urteilsschrift. Katsav habe versucht, Informationen zu unterschlagen.
«Es ist bewiesen, dass es keine Einwilligung gab», hiess es in dem Urteil. «Er hat Gewalt angewendet.» Die Zeugen der Verteidigung hätten sich als «brüchige Stütze» erwiesen. Das Gericht befand den Ex-Präsidenten zudem wegen des Versuchs der Beeinflussung von Zeugen und Behinderung der Justiz für schuldig.
Der Ex-Präsident reagierte laut Medienberichten fassungslos, als er die Urteilsverkündung hörte. Vertraute Katsavs riefen im Gericht, das Urteil sei Unrecht. Katsavs Anwalt sagte nach dem Urteil, sein Mandant werde weiter versuchen, seine Unschuld zu beweisen.
«Deutliche Nachricht»
Israels Ministerpräsident und Chef der Likud-Partei, Benjamin Netanjahu, begrüsste das Urteil: «Heute hat das Gericht zwei deutliche Nachrichten transportiert – vor dem Gesetz sind alle Menschen gleich und jede Frau hat ein Alleinrecht auf ihren Körper.»
Der Prozess – der erste gegen einen ehemaligen israelischen Präsidenten – hatte im letzten Jahr begonnen und war mit grosser Spannung verfolgt worden.

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