Kanton Zürich erweitert Datenplattform zu häuslicher Gewalt
Der Kanton Zürich hat seine Statistikplattform zu häuslicher Gewalt ausgebaut und aktualisiert. Die neuen Daten von Gerichten und Heimen liefern tiefere Einblicke.
(Keystone-SDA) Das kantonale Amt für Statistik und Daten hat die Monitoringseite «Häusliche Gewalt in Zahlen» umfassend aktualisiert und erweitert. Wie die Direktion der Justiz und des Innern am Donnerstag mitteilte, fliessen neu auch Kennzahlen des Obergerichts, der Statthalterämter sowie von Schutzunterkünften für Minderjährige ein.
Bislang stützte sich die Plattform auf Angaben von Polizei, Staatsanwaltschaft, Frauenhäusern und Beratungsstellen. Damit soll eine bessere Grundlage für die wirksame Bekämpfung dieser Taten geschaffen werden.
Die Zahlen für das Jahr 2025 verdeutlichen das Ausmass des Problems: Die Polizei rückte im Kanton Zürich täglich über 21-mal wegen häuslicher Gewalt oder Familienstreitigkeiten aus. Dabei wird zwischen strafbarer Gewalt und familiären Differenzen unterschieden, wobei beide Formen zunehmen.
Ein grosser Teil der Taten bleibt jedoch unsichtbar. Gemäss anonymen Befragungen wird bei sexueller Gewalt weniger als jeder zehnte Fall gemeldet, bei Tätlichkeiten rund jeder dritte.
Kinder leiden besonders häufig
Besonders stark von den Konflikten betroffen sind Minderjährige. Im Jahr 2025 wurden über 170 Kinder und Jugendliche in Schutzunterkünften aufgenommen. Zudem machen Kinder mehr als die Hälfte aller aufgenommenen Personen in Frauenhäusern aus.
Bei den polizeilich erfassten Delikten dominieren Tätlichkeiten, Drohungen, Beschimpfungen, einfache Körperverletzungen und Nötigungen. Rund vier von fünf Fällen fallen unter diese fünf Deliktarten. Unter Tätlichkeiten fallen physische Einwirkungen wie Kneifen oder Schubsen.
Schwere Gewalttaten kommen seltener vor, verzeichnen aber teils einen Anstieg. Unter den schweren Delikten wurden Vergewaltigungen im Jahr 2025 mit 118 Fällen am häufigsten angezeigt. Das entspricht einer Zunahme von 181 Prozent seit 2017, was unter anderem auf die Revision des Sexualstrafrechts Mitte 2024 zurückzuführen ist. Erstmals zeigt eine Karte zudem, wo häusliche Gewalt vor allem zur Anzeige kommt.
Männer dominieren bei den Tätern
Rund drei Viertel der erfassten Tatpersonen sind Männer, was jährlich etwa 1200 bis 1400 Personen entspricht. Die meisten Täter und Täterinnen sind zwischen 30 und 49 Jahren alt. Ein deutlicher Unterschied zeigt sich bei der Rolle im Konflikt: Während Männer meist nur als Tatpersonen erfasst werden, sind 74 Prozent der Frauen, die als Täterinnen erfasst werden, gleichzeitig selbst Opfer von Gewalt. Das deutet oft auf gegenseitige Gewalt oder Akte der Selbstverteidigung hin.
Bei den Opfern verhält es sich umgekehrt: Rund drei Viertel der Betroffenen sind Frauen und ein Viertel Männer. Bei den männlichen Opfern zeigt sich, dass 60 Prozent von ihnen im selben Zeitraum auch als Tatperson registriert wurden.
Schliesslich erlaubt die Monitoringseite Einblicke in die Verfahren: Rund zwei von drei polizeilich angeordneten Schutzmassnahmen werden gerichtlich überprüft, wobei Verlängerungsanträge den grössten Teil ausmachen. Die Plattform soll künftig jährlich im Juni aktualisiert werden.