Der «Schweiss» von Padre Pio in Schweizer Labors
Eine mysteriöse Flüssigkeit, die aus einer Heiligenstatue austritt, erregt in Italien die Gemüter. Ein Schweizer Mikrobiologe hat diesen "Schweiss" analysiert.
Die Episode um den «Schweiss» der Statue hat das Interesse Tausender von Gläubigen geweckt. Kein Wunder: Es geht um den beliebten Heiligen Padre Pio.
Die Statue von Padre Pio auf dem Hauptplatz von Castel di Iudica in Sizilien gibt seit einigen Monaten eine mysteriöse Flüssigkeit ab. Gemäss dem Schweizer Mikrobiologen Reinhard Glück gibt es bis anhin keine wissenschaftlichen Erklärungen für dieses Phänomen.
Auf das Unerklärliche hofften viele Gläubige, darunter der Bürgermeister des sizilianischen Städtchens, um die Gemeinde zu einem neuen Pilgerziel werden zulassen.
Schwitzende Statue
«Ich bin zufällig in diesen Fall geraten», sagt Reinhard Glück, Präsident von Etna Biotech, einer sizilianischen Niederlassung der Berna Biotech AG.
Auf Bitte eines sizilianischen Bekannten hat der Mikrobiologe in den Labors des Mutterhauses eine Flüssigkeit analysieren lassen, die seit zwei Monaten aus einer Statute von Padre Pio «schwitzt». Das lebensgrosse Standbild des Heiligen schmückt einen Platz des Städtchens Castel di Iudica, ganz in der Nähe von Catania.
Das Phänomen gibt bereits auf Sizilien und ausserhalb der Insel zu reden. Tausende von Gläubigen strömen mit Reisecars oder in Privatautos zur Statue. Sie wollen mit eigenen Augen sehen und mit den eigenen Händen fühlen, wie die Flüssigkeit aus dem Kinn und den Ärmeln des Heiligen tropft. Manche sprechen schon von Wunderheilungen.
Steril wie menschliche Tränen
Gemäss Glück konnten die bisherigen Messungen in der ausgetretenen «Schweissflüssigkeit» etwas Chlor und auch Proteine nachweisen. «Im Übrigen ist die Flüssigkeit vollkommen steril, wie menschliche Tränen», erklärte der Präsident der Etna biotech am vergangenen Samstag in Castel di Iudica vor unzähligen Zuhörern.
«Es ist wirklich ein anomales Phänomen, das sich bisher nicht wissenschaftlich erklären lässt», fasste Glück seine Ansicht zusammen.
Einige Beobachter meinen, dass der Schweiss ein Kondensat sein könnte, das vom Handschweiss der vielen Gläubigen stammt, welche die Statue berühren. Oder vielleicht Kondenswasser des Zementsockels, das durch schmale Risse ins Kinn und in die Arme des Heiligen aufsteigt. Weder der Dorfpfarrer noch der Bischof von Catania haben das Phänomen bisher kommentiert.
Giuseppe Grasso, der Gemeindepräsident von Castel di Iudica, wittert hingegen schon das grosse Geschäft: «Wir treffen bereits Massnahmen, um die ganze Pilgerschaft beherbergen zukönnen.» Er träumt von einem zweiten San Giovanni Rotondo. Der in Apulien gelegene Ort, in dem Padre Pio in einem Kloster lebte und starb, ist mit jährlich 8 Mio. Besuchern zu einem der meistbesuchtesten Pilgerziele auf der Welt geworden.
Paolo Bertossa
(Übersetzung aus dem Italienischen: Gerhard Lob)
8 Mio. Gläubige besuchen jedes Jahr das Kloster von Padre Pio
150’000 Euro beträgt der Durchschnitts-Verdienst eines Verkäufers von Souvenir-Läden in San Giovanni Rotonda
Die mysteriöse Flüssigkeit, die seit einigen Monaten aus einem Standbild von Padre Pio in Sizilien austritt, ist von einem Schweizer Labor analysiert worden.
Die Ergebnisse der Firma Etna Biotech, einem Ableger der Berna Biotech, ergaben, dass es sich um eine sterile Flüssigkeit handelt, in der unter anderem Chlor und Proteine enthalten sind.
Bisher ist das Phänomen «nicht wissenschaftlich erklärbar».
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