Kühner Brückenschlag
Die Ausstellung "John Soane und die Schweizer Holzbrücken" im Architekturmuseum Basel zeigt die Kühnheit schweizerischer Ingenieurskunst.
Ein Stück eidgenössische Architekturgeschichte, die Beachtung verdient.
Wo viel Wasser fliesst, da braucht es viele Brücken. Dies ist sicherlich einer der Gründe, warum die Schweiz schon früh Brückenbauer mit Weltruhm hervor brachte und immer wieder hervorbringt. Diese wenig beachtete Facette der Architektur wird nun im Architekturmuseum Basel ins Rampenlicht gerückt.
Appenzeller Baukunst
Um 1770 weckten die von den Teufener Brüdern Grubenmann erbauten Holzbrücken von Reichenau, Wettingen und Schaffhausen in ganz Europa grosses Interesse. Die strukturelle Konzeption, die gewagte Konstruktion sowie die ungewöhnliche Spannbreite erstaunte Zeitgenossen und Fachleute gleichermassen.
Die in jener Zeit beliebten Reiseberichte von jungen Adligen, ihren «Grand Tours» in Europa und der neuen Welt, weckte auch das Interesse von John Soane, einem jungen Architekten aus England. Soane hatte mit dem Entwurf einer Triumph-Brücke ein Stipendium gewonnen, das ihn nach Italien führte. Dort erfuhr er auch von den spektakulären Grubenmann’schen Brücken.
1780 durchquerte John Soane die Schweiz. Er studierte die elegant-kühnen Schönheiten, die Flussufer verbanden und im wahrsten Sinne des Wortes Brücken schlugen. In zahlreiche Zeichnungen und Skizzen bannte er die klare Formensprache, die technisch ausgeklügelten Bauwerke dieser Zeit.
Erstmalig und einmalig
Die vertiefte Auseinandersetzung – des späteren Professors für Architektur an der Royal Academy in London – mit der Konstruktion dieser Brücken steht im Mittelpunkt der Basler Ausstellung. Diese Exponate, Holzbrücken-Modelle, Skizzen, Aquarelle, Drucke sind zum ersten Mal für ein grösseres Publikum zugänglich.
Auf vier Stockwerken lassen die schönen Exponate jene Zeit aufleben, als unter anderem mit Edmund Cartwrights Erfindung des mechanischen Webstuhls (1786) die industrielle Revolution die Menschen mit Riesenschritten in die Zukunft führte.
Ein grosses Aquarell zeigt die Brücke über den Vorder-Rhein bei Reichenau. Diese Darstellung benutzte John Soane für seine Vorlesungen. Auch sehr eindrücklich ist die Brücke von Schaffhausen aus dem Jahre 1790 von Johann Heinrich Bleuler.
Cäsar und Palladio
Ein Stockwerk gilt Soanes Interesse für die Holzbrücken von Andrea Palladio (1508 bis 1580), jenem grandiosem Hauptmeister des Klassizismus. Ebenfalls dokumentiert ist die von Cäsar gebaute Brücke (ca. 55 v. Chr.) über den Rhein.
Die vom Archivio del Moderno in Mendrisio konzipierte und in Zusammenarbeit mit dem Sir John Soane’s Museum in London und dem Centro Internazionale di Studi di Architettura «Andrea Palladie» in Vincenza erarbeitete Ausstellung wird nach Mendrisio, Vincenza und Basel zum Abschluss in London im Sir John Soane’s Museum zu sehen sein.
swissinfo, Brigitta Javurek
Die Schweizer erwarben schon früh den Ruf, gute Brückenbauer zu sein. 1780 studierte der englische Architekt John Soane Schweizer Brückenbaukunst. Seine Holzbrücken-Modelle, Skizzen, Aquarelle und Drucke sind jetzt in Basel erstmals dem breiten Publikum zugänglich.
Ausstellung bis 2. Februar 2003 im Architekturmuseum AM
Pfluggässlein 3
4001 Basel
Öffnungszeiten:
Di. bis Fr. 13h-18h
Sa. 10h-16h
So. 13h-16h
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