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Maurice Béjarts Anleitung zur universellen Liebe

Bejart würdigt Mutter Theresa. BBL

Die Compagnie M von Maurice Béjart hat am Freitag "Mère Teresa et les enfants du monde" uraufgeführt.

Das nüchterne, eindrückliche Stück würdigt das Engagement der gläubigen Inderin Mutter Teresa und die ethischen Regeln, die sie vorgelebt hat.

Das Tanzstück bezieht spirituelle Konzepte und Symbole mit ein, verfällt aber nicht in moralische Strenge. Heiterkeit, Erhabenheit und Poesie wechseln sich ab. Die Botschaft ist klar. Man soll sich Zeit nehmen zu leben, zu spielen, zu teilen, zu lesen, zu beten, zu lieben und geliebt zu werden.

Mit 75 Jahren beweist Maurice Béjart einmal mehr, dass er noch immer zu überraschen vermag. Seiner kürzlich gegründeten Compagnie M hat er eine intensive, karge und mitunter auch unerwartete Choreografie geliefert.

«Gott ist in allem»

Als sich der Vorhang hebt, liegt das Ensemble am Boden in einem weissen Kreis, der von oben erleuchtet wird. Indischer Singsang hebt an, die Tänzer lösen sich aus dem Haufen, wälzen sich herum, richten sich auf und verteilen sich auf der Spielfläche. Es folgen Gesten der Eröffnung, des Aufblühens und der Verbindung mit dem Universum.

Die 15 aus verschiedenen Kulturen stammenden Tänzer und Tänzerinnen, die in Béjarts Schulatelier Rudra ausgebildet wurden, gruppieren sich um die 65-jährige brasilianische Tanzlegende Marcia Haydée.

In der von traditioneller indischer Musik, aber auch Bach und Mozart unterstützten Hommage wird Mutter Teresa einige Male zitiert: «Gott ist überall. Gott ist in allem und wir sind seine Kinder».

Reinigendes Wasser

In einer metaphorischen Szene tanzt eine junge Frau in langer Robe selbstvergessen Walzer, gleichgültig gegen das Dutzend Hungernde, das von der Ordensfrau genährt wird. Ähnlich sprechend ist die Schlussszene, in der die Tänzer Weihwasser über ihre Körper giessen.

Im Stück «gibt Marcia Haydée nicht vor, Mutter Teresa darzustellen, obwohl sie Texte von ihr spricht», erklärt Maurice Béjart.

Und die Tänzer verkörperten auch nicht die Armen und Leprakranken aus Calcutta. Sie drückten vielmehr gewisse Wahrheiten aus, die Mutter Teresa gelebt hat. «Ja, sagte sie, Leiden ist unumgänglich. Also leiden wir mit Freude!»

Die Friedens-Nobelpreisträgerin starb im September 1997 im Alter von 87 Jahren. Man rechnet mit ihrer Heiligsprechung im kommenden Frühjahr.

Die Zukunft der Compagnie M ist ungewiss. Im November spielt sie in Deutschland, Frankreich und Italien. Länger als bis Ende Jahr reicht allerdings ihr Budget nicht.

swissinfo und Philippe Triverio (sda)

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