Presseschau vom 03.12.2002
Zweimal Führungswechsel: Derjenige im Sport ist schon vollzogen und über denjenigen in der Regierung wird morgen entschieden.
Es geht um die gestrige Absetzung des Schweizer Skitrainers Fritz Züger und die kommende Bundesrätinnen-Wahl vom Mittwoch.
Zur Neubesetzung in der Landesregierung, es geht um die Nachfolge der abtretenden Bundesrätin Ruth Dreifuss, titelt der BLICK:
«Ruth Lüthis Sterne stehe am besten!»
Das Massenblatt hat den Astrologen Michael Vescoli befragt, für wen die Sterne am günstigsten stehen.
«Von Politik verstehe ich nicht viel»,
verrät der Sternzeichen-Spezialist, aber nach eingehender Sterne-Analyse sei für ihn klar:
«Ruth Lüthi passt am besten zum Schweizer Staatshoroskop.»
Wenn die Freiburgerin Lüthi am besten zum Staatshoroskop passt, heisst das noch lange nicht, dass sie den Kommentatoren in der Romandie passt. Der TAGES-ANZEIGER schreibt dazu:
«In der Romandie führt eine Medienelite seit Wochen eine aggressive Kampagne gegen Lüthi. Man spricht ihr, trotz 30-jähriger Integration in Freiburg, das welsche ‚Bürgerrecht‘ ab. Am Wochenende schrieb ein Chefredaktor, ihr Wahl wäre ein ‚Staatsstreich‘.»
In den Redaktionsstuben am Genfersee herrsche, so der BUND, die «höchste Alarmstufe», denn in den letzten Tagen hätten sich die Gerüchte verdichtet, Lüthi sei plötzlich auf die Favoritin Micheline Calmy-Rey aus Genf aufgerückt:
«Die Parteinahme der Zeitungen aus dem Hause Edipresse, dem mit Abstand grössten Verlagshaus in der Romandie, ist an Deutlichkeit kaum mehr zu überbieten.»
Trotz aller Aufregung, für die AARGAUER ZEITUNG bleibt es dabei:
«Micheline Calmy-Rey bleibt die Favoritin.»
Von der Bundesrätinnen-Wahl zur Trainer-Entlassung:
«Fritz Züger muss vom Hochsitz runter»,
titelt die NEUE LUZERNER ZEITUNG. Und weiter:
«Affäre mit Knalleffekt in Übersee. Fritz Züger ist nicht mehr Trainer der Schweizer Abfahrer. Den Fehler muss der Bündner primär bei sich suchen.»
Einer dieser Fehler laut TAGES-ANZEIGER:
«Er hat in den vergangenen Jahren fast ausschliesslich auf das grosse Talent von Silvano Beltrametti gesetzt. Er vernachlässigte die anderen Fahrer und sonnte sich zu sehr im Glanz seines Lieblingsschülers und Ziehsohnes (…).»
Weitere Fehler, diesmal aus der BERNER ZEITUNG:
«Züger liess letzten Winter verlauten, er trete sofort zurück, wenn ein Sportpsychologe ins Team komme. (…) Züger konnte sich in den letzten Wochen nie damit anfreunden, dass ihm sein Vorgesetzter Karl Freshner mit (…) Franz Heinzer einen erfahrenen Praktiker zur Seite stellte.»
Zur Entlassung führte schliesslich ein Interview im kanadischen Lake Louise, in dem er seinen ungeliebten Assistenten und Ex-Abfahrer Heinzer stark kritisierte. Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG fasst den Sachverhalt so zusammen:
«Züger formulierte in einem Interview mit der Agentur Sportinformation, was er zuvor sinngemäss schon bei andern Medien als vertrauliche Informationen gestreut hatte: ‚Wenn ich hätte entscheiden können, wäre heute ein anderer an meiner Seite. Heinzer war ein grossartiger Abfahrer (…). Aber ich sage auch: Wer gerne isst, muss noch lange kein guter Koch sein.»
Der Rest der Geschichte liest sich in der BERNER ZEITUNG so:
«Züger entschuldigte sich zwar hinterher (…). Aber die Vertrauensbasis für eine weitere Tätigkeit beim Speed-Team war zerstört. (…) Züger reiste unverzüglich in die Schweiz zurück.»
swissinfo, Philippe Kropf
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