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Presseschau vom 08.02.2003

Das schnelle und unkonventionelle Vorgehen der neuen Aussenministerin Calmy-Rey ist grosses Thema in den Schweizer Zeitungen.

Der BLICK verkündet das Karriere-Ende von Martina Hingis.

Für die Westschweizer Zeitung LE TEMPS ist die neue Aussenministerin die «Femme de la semaine – die Frau der Woche», wobei der Titel gewisser Ironie nicht entbehrt.

Es sei zwar richtig, dass die neue Aussenministerin in der USA-Irak-Krise nicht lange zugewartet, sondern selbst direkt gehandelt habe. Doch sei es auch eine Frage des Stils:

«Politiquement, la démarche a frappé par sa maladresse. Si elle avait pris la peine de consulter ses collègues, sans doute qu’ils l’auraient suivie sans grande discussion, et le geste y aurait gagné en structure. Tout au moins aurait-elle évité de citer la présence de l’Irak, avant de devoir se rétracter. – Politisch gesehen war ihr Vorgehen völlig linkisch. Wenn sie ihre Regierungskollegen zu Rate gezogen hätte, wären sie ihr sicherlich ohne grosse Diskussionen gefolgt, und ihr Engagement hätte so an Struktur gewonnen. Vor allem aber hätte sie es unterlassen, die Anwesenheit des Iraks zu erwähnen, nur um es dann wieder zurückzunehmen.»

Auch der BUND zeichnet Calmy-Reys Stationen in der vergangenen Woche nach:

«Am Montag hat Micheline Calmy-Rey in der Irak-Krise eine humanitäre ‚Konferenz‘ in Genf angekündigt. Am Dienstag schrumpfte der Vorstoss begrifflich zum ‚Expertentreffen‘. Gestern Freitag ist Calmy-Rey terminologisch eine weitere Sprosse hinuntergestiegen: Vielleicht treffe sich Mitte Februar in Genf bloss ‚der kleine Kern‘.»

Calmy-Rey hat Zivilcourage

Dennoch wäre es falsch und zynisch, wenn Bundesbern nun darüber «fachsimple, wie gross die kritische Grösse sein müsse, damit Calmy-Rey noch von einem ‚Erfolg‘ sprechen könne». Denn gleichzeitig hat der BUND für die neue feurige Aussenministerin auch Lob parat:

«Im Fall des humanitären Treffens schreiben wir das Feuer dem lobenswerten Engagement einer Frau zu, die nichts unversucht lässt, um Schlimmes zu verhindern.»

Gleiches schreibt auch der TAGES-ANZEIGER:

«Es könnte sein, dass die Genferin ihre neue Arbeit zu schwungvoll angegangen ist. Und es besteht die Gefahr, dass ihre Gesprächspartner sie nicht mehr ernst nehmen, wenn die Fallhöhe zwischen Absicht und Realisierung nicht kleiner wird. Nur kann niemand behaupten, er habe es nicht gewusst. Calmy-Rey galt schon vor ihrer Wahl als ausgesprochen handlungsfreudig, unkonventionell und selbstbewusst. (…) Bis auf weiteres wird man der Neuen zugestehen, sich voll für die Sache zu engagieren. Dass sie dabei die Lächerlichkeit riskiert, mag von mangelnder Erfahrung zeugen – von mangelnder Zivilcourage sicher nicht.»

Martina Hings hört auf

Das Boulevardblatt BLICK hievt nicht die neue Aussenministerin auf den Titel, sondern den abtretenden Tennis-Star Martina Hingis.

«Es ist vorbei» zitiert das Blatt den Tennis-Star. In der französischen Zeitung «L’Equipe» war das Gerücht ihres definitiven Rücktritts gestreut worden, welches der BLICK nun bestätigt. Die Gesundheit komme vor der Karriere, zitiert das Blatt die 22-jährige weiter und schreibt selbst:

«Die Vernunft hat eine Karriere beendet. Nun steht auch das Herz hinter diesem Entscheid».

Martina Hingis wolle nun ein neues Leben beginnen, ihre Schulen abschliessen. Und, die Schweizer Tennis-Ikone will sich auch mehr ihrem neuen Steckenpferd widmen: dem Reiten.

swissinfo, Anita Hugi

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