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Presseschau vom 11.02.2003

Die Schweizer Zeitungen sind sich nicht einig, wie ernst die aktuelle Krise der Nato ist. Die einen sehen die Schuld bei den Europäern, die anderen bei den Amerikanern.

Das Thema beschäftigt viele Kommentatoren.

Frankreich, Belgien und Deutschland haben es abgelehnt, bereits jetzt Vorkehrungen zum Schutz der Türkei zu treffen.

Das sei ein «Dreier-Aufruf gegen Irak-Krieg», titelt das ST. GALLER TAGBLATT.

«Sie schlagen den Sack und meinen den Esel», schreibt der Berner BUND. Die drei Länder «treffen mit ihrem Veto in der Nato die Türkei (…), aber eigentlich geht es ihnen darum, dass sich das Bündnis auch nicht in dieser indirekten Weise an den amerikanisch-britischen Vorbereitungen eines Irak-Kriegs beteiligt».

Wer ist an Nato-Krise schuld?

Die Nato sei in einer «Zerreissprobe», davon sind viele Kommentatoren überzeugt. Die BERNER ZEITUNG sieht den Grund für die «Scherben in Brüssel», wie sie es nennt, bei den Europäern:

«Mit dieser Entscheidung haben Frankreich, Deutschland und auch Belgien die Glaubwürdigkeit des Bündnisses möglicherweise irreparabel beschädigt.»

Anders sieht es der TAGES-ANZEIGER. Er titelt: «Bush stürzt Nato in tiefe Krise.»

Die Schuldigen seien nicht die drei Veto-Staaten: «Es ist US-Präsident George W. Bush mit seiner Kriegstreiberei.»

Es gehe um eine «fast schon absurde Auseinandersetzung», so der TAGI. Ankara bitte die Nato-Partner um Schutz, weil es sich bedroht fühle – bedroht durch einen möglichen Angriff der USA auf den Irak.

«Die Türkei ist durch die Nato-Führungsmacht USA in eine bedrohliche Lage manövriert worden und ruft nun die Allianzpartner zu Hilfe. Die Schlange beisst sich in den Schwanz.»

Irreparable Schäden?

Während sich der TAGI fragt, was die Nato in Zukunft noch zusammenhalten werde, ist die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG diesbezüglich optimistischer. Sie sieht die Probleme bei den Europäern, betont jedoch, dass in der internationalen Politik selten etwas von Dauer sei, auch anscheinend irreparable Brüche nicht:

«Die Nato ist ein erprobtes Bündnis mit eingespielten Prozeduren und hält einiges an Spannungen aus. Es überdauert Personen und Regierungen.»

Ernster schätzt der CORRIERE DEL TICINO die Lage ein. «Nato, crisi senza precedenti», die Nato sei in einer nie dagewesenen Krise.

Auch für die AARGAUER ZEITUNG ist die Glaubwürdigkeit der Nato beschädigt. Und die AZ weiter:

«Das dürfte Washington in seiner Haltung, im Kriegsfall auf Ad-hoc-Koalitionen zu setzen, bestärken. Schlimmer noch: Europa ist jetzt im Irak-Konflikt so gespalten, dass erst recht ein Alleingang der USA befürchtet werden muss.»

swissinfo, Eva Herrmann

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