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Presseschau vom 12.02.2003

Wie zerstritten ist die Nato? Der europäische Widerstand in der Irak-Frage gibt Anlass zu Spekulationen in den Zeitungen vom Mittwoch.

Es gehe um eine ernst zu nehmende Vertrauens- und Bündniskrise, sind sich die Kommentatoren einig.

«Sind die Amis geil auf Krieg – oder die Europäer zu feige?», fragt der BLICK provokativ und zitiert den früheren deutschen Kanzler-Berater Peter Bönisch:

«Die Freundschaft zwischen Amerika und Europa ist lebenswichtig. Die zwischen uns aufgekommene Hysterie verhindert vernünftige gemeinsame Lösungen. Die Aussen- und Sicherheitspolitik eignet sich nicht für persönliche Profilierungsversuche. Nirgendwo.»

Offener Kampf innerhalb der Nato

Der Druck auf die Nato-Dissidenten wachse, schreibt der Berner BUND, und für die BERNER ZEITUNG, BZ, ist der «Mythos des gegenseitigen Verständnisses und Vertrauens zwischen den USA und Europa entzaubert worden.»

Es werde jetzt zu einem offenen Kampf zwischen Atlantikern und Gaullisten kommen, sagt Gary Smith, Direktor der American Academy in Berlin, in einem Interview mit der BZ voraus.

Die Nato, so die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG, erwarte den inzwischen unter den Alliierten allgemein als nahezu unvermeidbar angesehenen amerikanischen Krieg gegen den Irak in zerstreuter Schlachtordnung und politischer Konfusion. Zwar habe die öffentliche Debatte über den Atlantik hinweg noch nicht zur Klärung der allseitigen Absichten geführt:

«Doch die Diskussion hat in der Sache die Gegensätze und auch die nuancenreichen Unterschiede deutlicher hervorgebracht», schreibt die NZZ.

Konkrete Vorschläge gefragt

«Es gibt eine Alternative zum Krieg», titelt die BASLER ZEITUNG; das gemeinsame Einstehen Deutschlands, Frankreichs und Russlands für eine friedliche Lösung der Irak-Krise komme zwar reichlich spät, und es müssten nun rasch konkrete Vorschläge auf den Tisch. Aber lange danach zu suchen brauche man nicht, und
«die Fortsetzung der Waffeninspektionen bietet eine ausreichende Handhabe, um den Irak in Schach zu halten,» folgert die BAZ.

Die NEUE LUZERNER ZEITUNG erwähnt die negative Reaktion aus Bagdad zu den deutsch-französischen Überlegungen für eine friedliche Entwaffnung von Irak. Die Idee der Stationierung von UNO-Truppen im Land wäre dafür laut offiziellen Aussagen ein Hauptgrund.

«Bush ist nicht Amerika»

Washington sei zur Zeit emsig daran, die Karten im eminent-wichtigen Öl-Poker neu zu mischen, schreibt die Genfer Zeitung LE TEMPS unter dem Titel:

«Guerre en Irak: Washington prépare la redistribution des cartes du jeu pétrolier.» Das Öl verleihe dem Kriegsvorhaben eine eiskalte und unabwendbare Logik.

Bush sei nicht Amerika, argumentiert die AARGAUER ZEITUNG. Kritik, Misstrauen und Protest gegenüber seiner Regierung seien berechtigt. Doch gelte es zu differenzieren. Es werde in Europa pauschalisiert, verdreht und karikiert:

«Und oft wird genau jene undifferenzierte Haltung eingenommen, die wir den ‚oberflächlichen‘ Amerikanern vorwerfen.»

«Die Fahne der Vernunft»

Unzimperlich mit der amerikanischen Haltung in der Irak-Krise geht der Zürcher TAGES-ANZEIGER um. Nur weil ein Teil Europas nicht gewillt sei, die Rolle von Vasallen, die blindlings dem Chef folgten, zu spielen, sei die US-Regierung dermassen aufgebracht. Indes:

«Auch die letzte Supermacht spürt, dass ihr Grenzen gesetzt sind. Nur will sie das nicht wahrhaben, weshalb sie alle, die die Fahne der Vernunft hochhalten, rüde abkanzelt.»

Verhalten optimistisch folgert der TAGI:

«Aber noch weht die Fahne.»

swissinfo, Monika Lüthi

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