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Presseschau vom 12.11.2002

Elf Monate vor den Parlamentswahlen steht die FDP ohne Präsidium da. Grund für die Presse, sich einmal mehr mit der schlingernden Wirtschaftspartei zu befassen.

Weitere Themen: Alptraum für die Alpen und eine Gansabhauet.

Die Vizepräsidentin der Schweizer FDP, Christiane Langenberger, hat eingesehen, dass ihre Partei «nicht auf Hochtouren» läuft.

Für den TAGES ANZEIGER grenzt diese Einschätzung an «Realitätsverlust. Die Freisinnigen machen derzeit den Anschein eines dilettierenden Kollektivs.»

Der TAGI-Kommentator kann eine gewisse Schadenfreude kaum verbergen: «Wer sich dermassen rechthaberisch als Partei der Wirtschaftskompetenz und Staatsführung aufspielt, braucht sich nicht zu wundern, wenn ihm die eigene Führungskrise höhnisch vorgehalten wird.»

Der Schluss des TAGI-Kommentars: «Wer dermassen viele Verwaltungsräte und Führungskader stellt, die ihre Aufsicht vernachlässigen oder als Manager vollständig versagen, muss akzeptieren, dass man sich etwas aggressiver für mögliche Interessenkollisionen ihrer führenden Mitglieder interessiert.»

In Anspielung auf die dubiosen Südafrika-Verlautbarungen des ehemaligen FDP-Präsidiums-Kronprinzen Hans-Rudolf Merz, aber auch auf die Wirtschaftsverstrickungen anderer Parteiexponenten, schreibt die BASLER ZEITUNG:

«Je schneller das Ansehen der Wirtschaftselite im Land in der Folge von Abzocker-Skandalen und Missmanagement-Krisen sinkt, desto schneller steigen die Anforderungen an ‚weisse Westen‘ in der Politik.»

Weniger allgemein formuliert es die BERNER ZEITUNG: «Im eigenen Interesse legt sich die FDP zudem nochmals Rechenschaft ab, ob die Wirtschaftsmandate von Merz kein zu grosses Risiko bieten.»

Nutzen kommt vor dem Schutz

Die BZ kommentiert auch den Entscheid der Umweltkommission des Ständerates, nach deren Willen «die Alpenkonvention ein Papiertiger bleiben soll».

Die entmutigte Feststellung: «Umweltschutz ist im Bundesparlament kein Thema mehr. (…) Die zuständige Kommission des Ständerates hat mit fadenscheiniger Begründung die Alpenkonventionsprotokolle zum Abschuss freigegeben.»

Das ernüchterte Fazit: «Nicht nur die Alpen werden einen Alptraum erleben.»

Brauchtum unter Beschuss

Die NEUE LUZERNER ZEITUNG beschäftigt sich mit einem jahrhundertealtem Surseer Volksbrauch, dem Gansabhauet am Martinitag, dem 11. November. Dieser wird von Tierschützern in Frage gestellt und bekämpft.

«Verschiedene Teilnehmer müssen beim Gansabhauet mit verbundenen Augen und einem stumpfen Säbel versuchen, einer toten Gans den Kopf abzuhauen.»

Dass sich dagegen Widerstand formiert, scheint logisch. Die NLZ lässt einen Sozialethiker dazu Stellung nehmen: «Nach Ansicht vieler Tierschützer ist der Gansabhauet eine Entwürdigung der Tiere. Mehr noch: Aus dieser Sicht bedeutet der Brauch eine Art Leichenschändung und ist ein symbolischer Akt gegen die ganze Tierwelt.»

Zu Wort kommt auch ein Gansabhauer, der 21-jährige Roli Weibel: «Es ist komisch, die tote Gans anzufassen, so kalt irgendwie.»

swissinfo, Etienne Strebel

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