Presseschau vom 14.02.2003
Die härtere Gangart des Bundes gegen den Asylmissbrauch findet in der Tagespresse vorsichtige Zustimmung.
Ein weiteres wichtiges Thema: Die Schweiz wird bei der Ski-WM im eigenen Land höchst wahrscheinlich auf Goldmedaillen verzichten müssen.
Justizministerin Ruth Metzler will Asylsuchende mit Nichteintretens-Entscheid auf die Strasse stellen und die Fürsorge-Leistungen streichen. Ausserdem soll eine nationale Asylkonferenz einberufen werden.
Die BERNER ZEITUNG begrüsst es, dass die Justizministerin das Heft endlich selber in die Hand nimmt: «Zu lange hatte sie sich hinter den laufenden Gesetzes-Revisionen verschanzt.»
Auch die Idee einer nationalen Asylkonferenz wird von der BZ positiv aufgenommen: «Das macht Sinn, auch wenn kein ‚Notstand‘ herrscht: denn ein solches Treffen schafft Vertrauen und könnte der Kakophonie von Ideen vorab aus der rechten Ecke endlich ein Ende bereiten.»
Die BZ fragt sich jedoch, ob es jedes Mal einen Volksaufstand braucht, bis Ruth Metzler auch zu unüblichen Taten bereit ist und schlägt der Justizministerin vor, den Spruch «Gouverner c’est prévoir» – Regieren heisst vorausschauen – über ihrem Arbeitspult anzubringen.
Das härtere Durchgreifen könnte laut der AARGAUER ZEITUNG die Problematik einfach verlagern: «Ins Existenzminimum gedrängte abgewiesene Asylbewerber von heute sind die Sans-Papiers von morgen.»
Der Berner BUND fragt sich, ob die Verschärfungen in der Realität den gewünschten Effekt zeigen werden, weil: «Erst der Anschluss ans Asylsystem der EU, verbunden mit einer ehrlicheren Haltung wird in Zukunft einmal Abhilfe schaffen: Die weltweite Migration ist mit den geltenden Kategorien ‚verfolgt/nicht verfolgt‘ nicht mehr zu fassen.»
Für den Kommentator der NEUEN LUZERNER ZEITUNG wird es für Ruth Metzler schwierig werden, Einigkeit herzustellen und die Balance zu finden zwischen «Sparen, Repression und dem Erhalt eines Minimums an Menschlichkeit. (…) So droht erneut eine Pflästerlipolitik statt ein Paradigmenwechsel.»
Skifahrerpech in St. Moritz
Dass der erhoffte Goldmedaillen-Segen nach den Riesenslaloms für das Schweizer Team nicht stattgefunden hat, ist für die Presse ein prominentes Thema.
Ex-Abfahrts-Weltmeister Peter Müller in der BASLER ZEITUNG: «Sonja Nef muss sich nichts vorwerfen, das hat einfach mit Pech zu tun.»
Dass es für Michael von Grünigen im Riesenslalom nicht zu einer Medaille gereicht hat, ist für Peter Müller nicht so schlimm: «Seine Karriere ist immer noch einmalig. Und sein emotionaler Ausbruch im Ziel ist verständlich. Wenn man 20 Jahre in eine Karriere investiert hat, wird man von Wehmut erfasst, wenn alles vorbei ist.»
Patrice Morisod, Trainer der Schweizer Kombinations-Gruppe, entschuldigt im BLICK das traurige Abschneiden der Schweizer Ski-Asse so: «Die weichen Pisten waren gegen uns:»
Weiter meint Morisod: «Das hatte nichts mit Skifahren zu tun, das war ein Carving-Cup.»
Die AARGAUER ZEITUNG zieht bereits jetzt eine Bilanz: «Die Schweiz bleibt auf zwei bronzenen und einer silbernen Auszeichnung sitzen. Und in den abschliessenden Slaloms am Wochenende ist wohl nur durch Sonja Nef Zuwachs zu erwarten – wenn ihr Fortuna beisteht.»
swissinfo, Etienne Strebel
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards
Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!
Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch