Presseschau vom 25.09.2002
In einer landesweiten Polizeiaktion gegen Kinderpornographie wird derzeit gegen rund 1300 Personen ermittelt. Eine wichtige Aktion, so der Tenor.
Die Haltung des britischen Premierministers Tony Blair vor dem britischen Parlament für einen Militär-Einsatz im Irak wird negativ bewertet.
Im Rahmen einer internationalen Operation ermitteln die Schweizer Behörden gegen Personen, die gegen Bezahlung über eine amerikanische Internetseite pornographische Bilder mit Kindern bezogen haben.
Es sei ein «harter Schlag gegen Kinderpornographie», ist in der NEUEN LUZERNER ZEITUNG dazu zu lesen und der BLICK titelt auf Seite 1: «Der Schweizer Kinderporno-Sumpf.»
Weiter hält der BLICK fest: «Hinter jedem Foto steht ein missbrauchtes Kind.»
Laut BUND ist der Grossteil der 26 Kantone betroffen. Unter den Verdächtigten befinden sich auch Lehrer und Personen in öffentlichen Ämtern. Der BUND ist überzeugt, dass die landesweite Aktion ihre Wirkung nicht verfehle.
Wegen vorzeitiger Veröffentlichung von Informationen waren jedoch viele Täter, häufig gut situierte Bürger, vorzeitig gewarnt. «Die Operation ‚Landslide‘ sollte zum grössten Schlag gegen Kinderpornographie in der Schweiz werden. Stattdessen droht ein Debakel», schreibt deshalb der TAGES-ANZEIGER.
Die Ermittlung gegen Kinderpornographie ist auch bei der AARGAUER ZEITUNG ein Thema: «Dank Kreditkarten kommen die Behörden den Verdächtigten auf die Spur», so das Blatt und bedauert: «Die potentiellen Täter sind jetzt gewarnt und haben ihre Festplatten gelöscht.»
In der BERNER ZEITUNG ist gar die Rede vom «Netz des Bösen». Die Zeitung kritisiert den «Kantönligeist», der eine Kontrolle des Internets verhindere, und fragt sich:
«Reicht das den bürgerlichen Parteien noch immer nicht als Argument, um die Bekämpfung der Internetkriminalität zur Bundessache zu erklären?»
Auch die BASLER ZEITUNG befasst sich auf ihrer Titelseite mit der Cyber-Kriminalität und fragt: «Wer kontrolliert eigentlich das World Wide Web und schützt vor Missbrauch?»
Die Meinung der BAZ ist klar und deutlich: «Nun ist der Staat in der Pflicht.»
Blair macht sich stark für einen Irak-Einsatz
Premierminister Tony Blair wirbt im britischen Parlament für einen Irak-Einsatz. Einem Geheimdienst-Bericht zufolge soll der Irak biologische Massenvenichtungswaffen besitzen.
«Blairs Beweise reichen für Inspektionen, nicht für den Krieg», kommentiert der TAGES-ANZEIGER.
Und die NLZ schreibt: «Grundlegend neue Erkenntnisse gibt es in diesem Bericht nicht.» Blairs Dossier spreche weniger für den sofortigen Einsatz von Waffen, sondern mehr für die Entsendung von Waffeninspektoren.
In einem Interview mit der LNZ äussert sich auch Bundesrat Joseph Deiss. «Für uns gilt das Neutralitätsrecht. Das heisst, wir dürfen keiner Krieg führenden Partei Hilfestellung leisten», so der Aussenminister.
Die BAZ meint zu Tony Blairs Irak-Dossier: «Alles schon bekannt.» Und: «Blairs Irak-Bericht fehlen Beweise.» Noch kritischer kommentiert die Zeitung die Debatte im britischen Unterhaus. «Viel Lärm um wenig Substanz.»
Für einmal musste sich der britische Premier weniger gegen die konservative Opposition als gegen die eigenen Parteikollegen wehren, welche ein UNO-Mandat fordern.
Auch der BUND ist nicht von der Vorgehensweise des britischen Premiers überzeugt und kommentiert nüchtern: «Blair hat nicht überzeugt.» Und: «Nicht nur Experten, sondern auch Nato-Verteidigungsminister setzen ein Fragezeichen.»
Ins gleiche Horn stösst die AARGAUER ZEITUNG. Sie zitiert einen britischen Experten mit den Worten: «In dem Bericht gibt es keine schlagenden Fakten, die einen Sturz von Saddam Hussein rechtfertigen.»
Die Zeitung hält auch fest, dass der Irak schliesslich bereit sei, Waffeninspektoren zu empfangen und ihnen freien Zugang zu allen Stätten im Irak zu gewähren.
Elvira Wiegers
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