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Presseschau vom 25.10.2002

Die Schweizer Zeitungskommentatoren nehmen sich heute dem Geiseldrama in Moskau und der VBS-Südafrika-"Panne" an.

Die zum Überleben nötige «Rosskur» der ABB ist ein weiteres Thema.

Die Geiselnahme in Moskau durch tschetschenische Terroristen wird von allen Zeitungen einmütig verurteilt. Doch wird auch der russische Präsident Putin mitverantwortlich gemacht.

Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG bringt es auf den Punkt: «In einiger Hinsicht gleicht Putins Krieg gegen die tschetschenischen Widerstandskämpfer der Taktik des israelischen Regierungschefs Sharon in den besetzten Gebieten: Terrorbekämpfung ohne viel Rücksicht auf die mitbetroffene Zivilbevölkerung und ohne Angebot einer glaubwürdigen politischen Lösungsperspektive.»

Der TAGES ANZEIGER-Kommentar schliesst: «Zusammen mit den Hunderten von Geiseln in Moskau sitzt Putin – und mit ihm das ganze Land – in der Tschetschenienfalle.»

Ins selbe Horn stösst auch die NEUE LUZERNER ZEITUNG: «Die Arroganz der Mächtigen dreht ebenso an der Spirale der Gewalt wie der blinde Fanatismus der Terroristen.»

Grober VBS-Fehler

Die parlamentarische Untersuchung der kritischen Beziehungen der Schweiz mit Südafrika ist durch die äusserst peinliche «Übermittlungspanne» des Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS)akut gefährdet.

Die AARGAUER ZEITUNG titelt ihren Kommentar deshalb mit: «Dilettanten und Chaoten» und fährt weiter: «Leider aber passt dieses chaotische Vorgehen ins Schema helvetischer ‚Spionage-Skandale‘. Schilling spionierte die österreichische Armee aus, Bellasi finanzierte mit Armeegeldern seine Waffensammlung, in Sachen ‚Südafrika‘ schickt ein unbedarfter VBS-Mitarbeiter Rohentwürfe von noch nicht abgesegneten Fragen in der Weltgeschichte herum.»

Die NZZ titelt: «Eine Posse mit ernsten Konsequenzen – und Absichten?» und spricht damit einen bösen Verdacht aus: » ‚Pannen‘ können aber auch aus einem bestimmten Interesse des Urhebers resultieren – was übrigens für die meisten Indiskretionen gegenüber einzelnen Medien zutrifft. Im Geheimdienstbereich liegen solche Vermutungen besonders nahe.»

Die BERNER ZEITUNG sagt es kurz und bündig: «Zudem provoziert das VBS den Verdacht, diese Dummheit sei gewollt, um Fehler vergangener Zeiten zu vertuschen.»

Die BZ findet weiter: «Jetzt rächt sich, dass sich die bürgerlichen Parteien bisher standhaft weigerten, eine Parlamentarische Untersuchungskommission (PUK) einzusetzen.»

ABB in Nöten

Die BASLER ZEITUNG schreibt über den angeschlagenen Konzern: «ABB ist nicht Swissair».

Trotz aller schlechten Nachrichten und Einschätzungen beschwichtigt die BAZ: «ABB steht nicht vor dem Konkurs. Der tiefe Aktienkurs spiegelt nicht den Wert des Unternehmens, sondern die Unsicherheiten und offenen Fragen, was Management, Finanzen und auch die Konjunktur anbetrifft.»

Die AARGAUER ZEITUNG atmet auf: «Nicht ganz so tief in den roten Zahlen wie befürchtet.»

Zum Niedergang des Konzerns erteilt die AZ auch einem 57-Jährigen ABB-Ingenieur das Wort: «Die grösste Schweinerei ist, dass sich die Chefs bereichert haben, die uns das alles eingebrockt haben.»

swissinfo, Etienne Strebel

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