Symbolismus und Jugendstil im Kunstmuseum Solothurn
Mit 80 gezielt ausgewählten Werken gewährt das Kunstmuseum Solothurn derzeit einen präzisen Einblick in die Schweizer Malerei um 1900. Die Ausstellung zeigt die gegensätzlichen internationalen Kunstströmungen dieser Zeit auf: Symbolismus und Jugendstil.
Dank der Zusammenarbeit der Konservatoren Christoph Vögele vom Kunstmuseum Solothurn, Matteo Bianchi von der Villa dei Cedri in Bellinzona und Marie Claude Morand vom Musée cantonal des beaux arts in Sion ist eine fundierte nationale Bilderausstellung von zwei Künstlerinnen und 40 Künstlern entstanden.
Bewusst auf Malerei beschränkt
Abgesehen von den erhellenden Beispielen aus den Bereichen Zeichnung und Druckgraphik haben sich die drei Museumsleiter bewusst auf die Kunstgattung der Malerei beschränkt. Dieser Entscheid, etwa das Kunsthandwerk auszuklammern, führt zu einer präzisen Sicht. So lassen sich die besonderen Ausformungen des Jugendstils in den einzelnen Schweizer Sprachregionen verdeutlichen.
Symbolismus und Jugendstil
Die Ausstellung in Solothurn beginnt mit symbolistischer Malerei, d.h. mit Bildern, die Aussagen machen wollen. Ein grosses Thema ist das weiblich gedeutete Element Wasser, wie in Arnold Böcklins Gemälde «Meeresbrandung». Bei Filippo Franzonis «Narziss» und Luigi Rossis «Rêves de jeunesse» kann sich der Jüngling im Wasser spiegeln und weibliche Gestalten in die Reflexe der Wasseroberfläche hinein träumen.
Im Unterschied zu den symbolistischen Bildern treten im Jugendstil formale Gesichtspunkte in den Vordergrund. Augusto Giacometti hat die Tannenwälder seiner «Berge» mit feinem Pinsel blau – grau getupft, so dass daraus eine Art Ornament hat entstehen können. Das Ölbild wirkt leicht wie eine japanische Arbeit auf Papier und schlicht wie ein Tapetenmuster.
Auch in Albert Trachsels kosmischen Bilden tritt der Symbolgehalt vor der brillanten formalen Bildbewältigung in den Hintergrund. In seiner «Traumlandschaft» erhebt sich ein Gebirge aus den horizontalen Farbbändern des Wassers, während die halbrunden Regenbogenstreifen des Lichts über dem Berg aufsteigen.
Die Ausstellung zeigt, dass sich die nationale Identität in der Schweizer Malerei um 1900 vor allem in der Gattung Landschaft herauskristallisiert hat. In den grossen europäischen Zentren Paris, Wien, München und Mailand stand dagegen die Figurenmalerei mit der femme fatale im Mittelpunkt des gleichzeitigen Kunstgeschehens.
Die Ausstellung zur Schweizer Malerei um 1900 gastiert bis zum 27. August im Kunstmuseum Solothurn. Anschliessend wir sie auch in Bellinzona (15.09.-29.10.) und in Sitten (19.11.2000-07.01.2001) gezeigt.
swissinfo und Agenturen
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